Aktuelle Ausgabe
2012-20

Arbeiten von Johann Georg Rudolphi und Johann Heinrich Löffler im Brakeler Stadtmuseum

Zwei alte Meister des Kupferstichs

Bei der Ausstellungseröffnung in Brakel (von links): Antonius Löffler; Leihgeber und Mitinitiator der Ausstellung, Paul Kramer, Heimat- und Verkehrsverein Brakel, Dr. Hermann Josef Schmalohr, Erzbischöfliche Akademische Bibilothek Paderborn. Foto: Martina Schäfer

Brakel. Seine großformatigen Gemälde hängen in unzähligen Kirchen der Region: Johann Georg Rudolphi (1633-1693) hat sich mit seinen Altarbildern einen Namen gemacht und gilt als einer der bedeutendsten Künstler des westfälischen Barocks. Weniger bekannt ist allerdings, dass der Maler ebenso als Entwurfszeichner für künstlerisch hochwertige Kupferstiche erfolgreich war und das oft in Kooperation mit den Brüdern Löffler, die im 17. Jahrhundert eine vielbeachtete Werkstatt in Köln besaßen. Eine Vielzahl an druckgrafischen Werken, die aus der Verbindung Rudolphi/Löffler stammen, ist zurzeit in einer Ausstellung des Stadtmuseums „Alte Waage“ in Brakel zu sehen. 

von Martina Schäfer 

Ob Titelblätter für Bücher, Illustrationen für Repräsentationsschriften oder Kupferstiche für die Thesenveröffentlichung, die gemeinsamen Arbeiten des Künstlers Rudolphi mit der Löffler-Werkstatt umfassten ein breites Spektrum, wie die Ausstellung in Brakel eindrucksvoll zeigt.

Die dort präsentierten Exponate stammen aus der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek (EAB), aus dem Stadtarchiv Brakel und aus der Privatsammlung von Antonius Löffler. Der Sauerländer hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit seinen Namensvettern beschäftigt und im vergangenen Jahr selbst mit dem Freundeskreis des Klosters Oelinghausen eine Ausstellung im gleichnamigen Kloster bei Menden organisiert. Auf diese wurde auch der Heimat- und Museumsverein Brakel aufmerksam.   

Mit einem Auftrag der Paderborner Jesuiten begann 1654 die Zusammenarbeit des in Brakel geborenen Rudolphi mit dem Kölner Handwerker Johann Heinrich Löffler Junior. Daraus entwickelte sich eine enge Partnerschaft, die sich über drei Jahrzehnte hinweg als stabil bewies. „Insgesamt 21 gemeinsame Arbeiten sind uns heute bekannt“, berichtet Dr. Hermann-Josef Schmalor, Direktor der Erzbischöflichen Akademischen Bibilothek, während der Ausstellungseröffnung. Die Vielzahl an Arbeiten ermöglichte der Kupferstich, der sich im Laufe der frühen Neuzeit zum erfolgreichen Medium der präzisen Vervielfältigung entwickelte und im Zeitalter des Barock seine höchste Blüte erlebte. Selbst große Meister wie Peter Paul Rubens oder Albrecht Dürer bedienten sich dieser neuen künstlerischen Ausdrucksform, die den bislang üblichen Holzschnitt ablöste.

Durch die detailreiche Darstellung der mythischen, allegorischen und religiösen Themen erhält der Ausstellungsbesucher Einblicke in den Zeitgeist der Epoche, in welcher der Künstler wie Handwerker von den Wünschen der Auftraggeber abhängig war. Johann Georg Rudolphi stand als Hofmaler in Dien-s-ten von Bischof Ferdinand von Fürstenberg und dessen Nachfolger Hermann Werner von Wolff-Metternich, die in Schloß Neuhaus residierten.

In Brakel sind natürlich auch die einzelnen Arbeiten der beiden Brüder Johann Heinrich und Johann Eckard Löffler zu sehen, unter anderem das großformatige Hauptwerk „Flores seraphici“, das Biographien von Kapuzinermönchen darstellt. Auf der anderen Seite gibt Johann Georg Rudolphi mit Ausschnitten aus der Monumenta Paderbornensa (ab 1669) seine Visitenkarte ab. In insgesamt 28 Kupferstichen hat Rudolphi – im Auftrag von Ferdinand von Fürstenberg – den Orten und Städten im Hochstift ein Denkmal gesetzt. 

Auffällig an den gemeinsamen Arbeiten von Löffler/Rudolphi sei das durchkomponierte Bildprogramm, „das sowohl an Entwurfszeichner wie auch an den ausführenden Kupferstecher besondere Anforderungen stellte“, worauf Schmalor hinwies. Biblische und theologische Themen, welche die Geistesgeschichte jener Zeit prägten, wurden mit zahlreichen Allegorien, Motiven und Symbolen im Kupferstich aufgegriffen.

Für den heutigen Betrachter sind diese nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Aber die Brakeler Ausstellung hilft mit erhellenden Kommentaren bei der Bild-Interpretation. Als besondere Exponate in den Vitrinen gelten die Original-Kupferplatten, alle von Rudolphi entworfen und von seinem Partner „Löffler Junior“ gestochen. Sie stammen aus den Sammlungen des Paderborner Altertumsvereins. 


24.05.2012
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