Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Zuhören ist gefragt!

von Matthias Nückel 

Die deutschen Bischöfe sind nicht zu beneiden. Während ihrer Vollversammlung in Paderborn wurden sie in Unterschriftensammlungen und Demonstrationen mit völlig entgegengesetzten Forderungen konfrontiert. Dies war ein Spiegelbild der Kirche heute.

Die einen fordern weitgehende Reformen, die anderen wollen am Bestehenden festhalten. Zwischen diesen beiden recht lauten Gruppen gibt es schließlich noch die große Masse der schweigenden Mehrheit, von der niemand genau weiss, was sie möchte.

Ein Dialogprozess, dessen Zeitplan die Bischöfe in Paderborn beschlossen, soll nun Struktur in die Debatte bringen. Innerhalb der kommenden vier Jahre soll eine „Klärung und Vergewisserung“ des Zeugnisses der Kirche in der Welt stattfinden.

Dieser Weg wird angesichts der Vielfalt in der Kirche nicht leicht werden. Schaut man sich die vielen Gruppen mit ihren je eigenen Vorstellungen und Zielen an, dann wird schnell klar, dass es heute schwerer denn je ist, die Einheit der Kirche zu wahren.

In ihrem Brief an die Gemeinden rufen die Bischöfe zur emotionalen Abrüstung auf. Damit haben sie Recht. Emotionale Forderungen bringen die Kirche nicht weiter. Zuhören ist gefragt! Das gilt für alle Beteiligten am Dialogprozess. Leider haben jedoch auch in der Kirche – wie in unserer Gesellschaft – viele das Zuhören verlernt. Das wird den Dialog nicht erleichtern.


24.05.2012
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