Weihnachts- und Neujahrsgruß von Propst Andreas Coersmeier
Zeit des Wandels
„Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“, hieß das Motto von RUHR.2010 Kulturhauptstadt Europas. Eine Region präsentierte sich mit ihrer vielfältigen Kultur, ihrem kulturellen Erbe und auch ihrer kirchlichen Kultur. Nicht zufällig stand das Thema „Wandel“ im Mittelpunkt. Hier im großstädtischen industriell geprägten Raum zeigen sich gesellschaftliche, kulturelle, wirtschaftliche und auch kirchliche Veränderungsprozesse deutlicher und schneller, als an anderen Orten. „Wandel“ war daher 2010 auch das Thema der katholischen Kirche in Dortmund und wird es über das Jahr hinaus noch bleiben. „Kultur durch Wandel“ – welche Kultur lässt sich angesichts der gesellschaftlichen, wie der kirchlichen Veränderungen, im Leben der Gemeinden und Pastoralverbünde entwickeln?
Eine Frage, die im Juni über der Zukunftskonferenz der Katholischen Stadtkirche stand. „Die fetten Jahre kommen noch …“ war die Konferenz mit rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern überschrieben. Nach dem Referenten Martin Wrasmann kommen die „fetten Jahre“ nur durch einen Wandel einiger etablierter Kulturen des kirchlichen Lebens. Aus der „pfarrgemeindlichen Kultur“ habe sich so etwas wie der „heilige Rest“ herausgeschält, meinte er mit Bezug auf jene 90 Prozent Katholiken, die in Großstädten, wie Dortmund, nicht zu den Besuchern der Gottesdienste zählen. Kirche, so Wrasmann, müsse sich viel mehr als bisher im Lebensraum der Menschen entwickeln. Dazu zählten Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser oder Altenheime. Insgesamt gehe es bei den notwendigen Veränderungen um eine „neue Kultur des Kirche-Seins“, des Vertrauens und des Experiments. So wird dann auch „Wandel durch Kultur“ möglich.
Impulse, mit denen wir uns im kommenden Jahr noch weiter beschäftigen werden. So stehen die Fragen nach der Gestaltung des Wandels beim Lichtmesstreffen am 4. Februar 2011 erneut im Mittelpunkt. Fragen, auf die sich keine schnellen Antworten finden lassen, die sich bewegen zwischen Bewahrung und Erneuerung und dem Experimentieren mit neuen Konzepten.
Ein solches erfolgreiches Experiment war im Herbst das Projekt „junge kirche unterwegs zu dir“. Fünf Tage lang besuchte das Team der „jungen kirche dortmund“ mit einem gemieteten Aktionsbus Schulen und Jugendzentren, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und religiöse Angebote zu machen.
Die Jugendlichen waren eingeladen, zu erkennen, was ihnen wertvoll im Leben und Glauben ist. „Glauben – warum?“ oder „Gott – wer ist das?“, lauteten dabei die Fragen. Der ökumenische Verein „Andere Zeiten“ war von der Idee begeistert und finanzierte das Projekt mit einem hohen Preisgeld. Hier werde auf eine überzeugende Art versucht, junge Menschen mit Kirche und Glauben in Berührung zu bringen.
Für eine Zeit des Wandels steht auch die im November eröffnete Grabeskirche Liebfrauen. Die 1883 geweihte Pfarrkirche Liebfrauen wurde in knapp zweijähriger Bauzeit zu einer Begräbniskirche für Urnen umgestaltet. Ein Wandel, der für die Gemeinde zunächst einen schmerzhaften Abschied von ihrer Kirche bedeutete. Ein Wandel, der aber den Erhalt der Kirche mit einer neuen Aufgabe ermöglichte. Sie ist nicht nur Beisetzungsstätte für Urnen, sondern ein Ort, an dem die Lebenden Trost und Hilfe finden können. Dazu wird in enger Zusammenarbeit mit den Hospizdiensten St. Christophorus des Malteser-Hilfsdienstes Angehörigen Begleitung, Hilfe und Austausch angeboten. Auf diese Weise wird sich die Grabeskirche Liebfrauen zu einem neuen Ort kirchlichen Lebens entwickeln.
Es wird künftig noch mehr darum gehen, die Menschen in ihren jeweiligen Lebenssituationen wahr zu nehmen und von dort aus zu sehen, wie das Evangelium verkündet werden kann.
Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2011.
Propst Andreas Coersmeier
Stadtdechant







