Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Wo bleibt die Theologie?

von Matthias Nückel 

Nun haben sich rund 200 Theologen aus dem deutschsprachigen Raum in die Debatte über den Zustand der Kirche eingeschaltet. Die Professorinnen und Professoren stellen in ihrer Erklärung viele Forderungen auf, die schon seit Jahren immer wieder erhoben werden: Abschaffung des Zölibats, Priesterweihe von Frauen, Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, mehr Mitsprache von Gläubigen bei der Bestellung von Pfarrern und Bischöfen, um nur einiges zu nennen.

Es war klar, dass die Theologinnen und Theologen mit solchen Forderungen auf ein breites Echo stießen. Auch jene Medien, die sonst eher wenig über die Kirche berichten, stürzten sich auf die vermeintliche Sensation. Wer sich allerdings die Mühe macht, die Erklärung im Wortlaut zu lesen, wird ziemlich enttäuscht.

Von Theologie-Professoren dürfte man eigentlich erwarten, dass sie Aussagen zu theologischen Fragen auch ihrer Zunft gemäß begründen. Regelungen der Kirche, die theologisch begründet sind, muss man auch theologisch diskutieren, wenn man eine andere Position einnimmt. Die Erklärung setzt jedoch mehr auf Medienwirksamkeit als auf Tiefgründigkeit. 

Wenn sich die Professorinnen und Professoren theologisch mit den Fragen auseinander gesetzt hätten – auf hohem Niveau dazu –, dann hätte es vielleicht so etwas wie eine Sternstunde der Theologie sein können. Diese Chance haben die Unterzeichner der Erklärung leider vertan.

 

 


24.05.2012
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