Gedanken zum Evangelium
Wie kommt Gott zu uns?
Wie bereiten wir heute den Weg des Herrn, fragt sich Pfarrer Georg Kersting aus Bad Lippspringe. Müssen da noch die Straßen geebnet und die Berge geglättet werden? Oder gilt es gegen alle Hektik der Vorweihnachtszeit Gott im Nächsten zu entdecken, der uns entgegenkommt?
von Pfarrer Georg Kersting
2009: Jede Schlucht ist aufgefüllt, mit Schotter und Asphalt. Jeder Berg und Hügel gesenkt, oder verbunden mit einer Brücke aus Stahlbeton. Da ist nichts Krummes mehr. Alles gerade, schnurgerade, endlos lang. Kilometer weit. Wie auf einer Schnellstraße. Wie auf der Autobahn. Höher, schneller, weiter. Kommt so der Herr? Haben das die alttestamentlichen Propheten gemeint? Gott auf dem Highway?
Wir haben unsere Straßen breiter und unsere Verbindungen schneller gemacht. In null Komma nichts überwinden wir größte Distanzen. Das hat viele Vorteile. Wir sind mobil. Wir sind flexibel. Wir sind modern. Das hat auch seinen Preis. Wir haben wenig Zeit für direkte Begegnung und übersehen schnell die Dinge am Rande. Wir rasen vorbei.
Aber mitunter schlägt das Pendel schon wieder in die andere Richtung: Die aufwendig verbreiterte Straße wird zurückgebaut. Das Auto hat nicht mehr die oberste Priorität. Die Fahrbahn wird verengt. Es wird Platz geschaffen für Fahrrad und Fußgänger. Es gibt verkehrsberuhigte Zonen und Spielstraßen. Der Verkehr erhält menschliches Maß. Und neben Asphalt und Beton ist Raum für Bäume und Blumen.
Wie kommt Gott zu uns? Auf dem Highway? Dort zählt, gerade jetzt vor dem Weihnachtsfest, der Kommerz, der Konsum, der große Umsatz. Die Wirtschaft hat Vorfahrt. Die Konjunktur muss wieder angekurbelt werden. Auf dem Highway geht es hektisch zu. Da ist noch so viel zu erledigen. Da muss noch so viel geschafft werden, bis das Fest endlich kommen kann. Auf dem Highway ist keine Zeit für ein Gespräch, keine Zeit für Begegnung, keine Zeit für Gott. Höchstens am Rande, auf dem Seitenstreifen, in der Parkbucht. Aber nicht auf der Überholspur. Oder muss erst der Crash kommen, die große Unterbrechung, dass Gott wieder zum Thema wird?
Wie kommt Gott zu uns? Ist das die Botschaft der Bibel im Advent 2009: Schalte einen Gang zurück! Nimm die Nebenstrecke! Hab keine Angst vor der Sackgasse! Achte auf die, die nicht so schnell sind! Übersieh den nicht, der liegen geblieben ist! Gott kommt. Vielleicht ist er Fußgänger? Er wartet auf dich! Sie schiebt gerade den Kinderwagen. Er kommt dir entgegen, mit seinem Rollator. Suche die engen Wege, meide nicht die krummen Pfade! Mach ihm den Weg frei! Der Herr kommt! Auch heute!







