Aktuelle Ausgabe
2012-20

Restaurator Christoph Fiebiger nahm Prunkstück der Herforder Katholiken unter seine Fittiche

„Wie durch eine braune Scheibe“

Restaurator Christoph Fiebiger von der Paderborner Firma ars colendi legt letzte Hand an die Kreuzigungsszene an, die vermutlich um 1674 entstanden sein dürfte. Foto: Lakenbrink

Herford/Paderborn. „Das Gemälde befand sich in einem sehr guten Zustand.“ Diplom-Restaurator Christoph Fiebiger von der Paderborner Firma ars colendi hat selten derart unkomplizierte „Patienten“ in seiner Werkstatt wie die Kreuzigungsszene, an der er an diesem Vormittag arbeitet. Das Ölgemälde, das schätzungsweise um 1674 entstand, soll für die Ausstellung „Wendezeiten Herforder Geschichte“, die ab dem 24. April im Städtischen Museum Daniel-Pöppelmann-Haus gezeigt wird, hergerichtet werden. Schließlich soll ihm dort eine aus katholischer Sicht herausragende Bedeutung zukommen.

von Ruth Lakenbrink


„Die Ausstellung beleuchtet die Zeiten, in denen Herfords Entwicklung jeweils eine neue Richtung einschlägt. Zeiten, in denen sich die Stadt und die Bewohner grundlegend verändern“, sagt Museumsleiterin Sonja Langkafel. Und so ist an erster Stelle auch die Reformation zu nennen, die Herford einen bleibenden Stempel aufdrückte. Nur dreizehn Jahre nachdem Martin Luther seine Thesen veröffentlichte, folgte die Mehrheit der Herforder dem neuen evangelischen Bekenntnis. Den verbliebenen Katholiken wurde die offene Religionsausübung schwer gemacht, daher gibt es kaum Zeugnisse katholischen Gemeindelebens bis etwa 1650. Gottesdienste mussten heimlich abgehalten werden. Die Situation besserte sich erst 1672 spürbar.
Damals schlossen Friedrich Wilhelm von Brandenburg und Philipp Wilhelm von der Pfalz einen Religionsvergleich, der beinhaltete, dass die Katholiken „in allen Stücken den Evangelischen gleich traktieret und gehalten werden.“ Somit war es ihnen gestattet, in der Kapelle der Johanniter-Kommende wieder öffentliche Gottesdienste zu halten. Der damalige Komtur beschloss gleichzeitig eine Erweiterung und Instandsetzung der Kapelle, die 1674 abgeschlossen war. Die Einrichtungsgegenstände wurden von privater Seite gestiftet. Dazu gehörte auch die Kreuzigungsszene, die dem Künstler Mähler zugeschrieben wird.
„Es ist ein sehr qualitätvolles Bild“, lautet das Fachurteil des Restaurators, der nach eigenem Bekunden nur selten derart hochwertige und gut erhaltene Gemälde vor Pinsel und Wattebausch bekommt. Denn das sind bei der Kreuzigungsszene die Hauptarbeitsutensilien. Denn: „Es ging vornehmlich darum, das Bild aufzuhellen.“ Da es seit geraumer Zeit im recht dunklen Flur des Pfarrhauses St. Johannes Baptist in Herford hing, konnten ihm weder Sonnenlicht noch Ruß viel anhaben. Vor allem der in die Jahre gekommene Firnis, wie der anfänglich durchsichtige Schutzanstrich genannt wird, machte das Bild dunkel. „Man guckt dann wie durch eine braune Scheibe auf das Gemälde“, so Fiebiger. Diesen alten Firnis musste der Fachmann zunächst vorsichtig mit Watte und Lösungsmittel entfernen. Erst dann zeigte sich, wie gut das Gemälde tatsächlich erhalten war.
Es tauchten so gut wie keine im Laufe der Zeit nachgebesserten Stellen auf, sodass der Restaurator nun nur wenige kleine Fehler mit Farbe und Pinsel ausbessern muss, ehe er eine frische Schicht Firnis auftragen kann. „Ein bisschen Kosmetik“, wie er es nennt.
Im Städtischen Museum wurde der „Stargast“ der Ausstellung, die neben der Reformation auch den Wandel von der Reichsstadt zur Landstadt und die Industrialisierung zwischen 1870 und 1914 thematisiert, schon sehnsüchtig erwartet, schließlich handelt es sich um einen der wenigen Belege katholischen Lebens in dieser Zeit.

 


Info
„Wendezeiten Herforder Geschichte“ ist vom 24. April bis zum 18. Juli in den beiden Gebäudeteilen des Daniel-Pöppelmann-Hauses, am Deichtorwall 2, zu sehen. Sie ist dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es telefonisch unter: 0 52 21/18 96 89.


24.05.2012
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