Aktuelle Ausgabe
2012-20

Der KHG-Chor der Hochschulgemeinde Paderborn

Wie Singen verbinden kann

Der Chor der Katholischen Hochschulgemeinde Paderborn. Foto: KHG

Paderborn. Aus einem Chor junger Studierender wurde eine verschworene musikalische Gemeinschaft! Wie dies geschah, davon erzählen Mitglieder des Chores der Katholischen Hochschulgemeinde in Paderborn.

von Richard Schleyer

Was führt junge Leute in einen Chor? Einmal natürlich, dass sie gerne singen, musikbegeistert sind. Aber ganz wichtig für sie ist: dass sie dort andere junge Leute treffen. Sie suchen Kontakt, Gemeinschaft, wollen miteinander etwas erleben. Dies bestätigen die Mitglieder des Paderborner KHG-Chores. „Ich kam nach Paderborn und suchte Anschluss!“ Immer wieder begegnet diese Aussage in dem Buch, das die jungen Studentinnen und ihre Kommilitonen über den Chor zusammenstellten. Das Singen im Chor zu den Gottesdiensten und Festen der Katholischen Hochschulgemeinde hat die 25 jungen Leute so zusammengeschweißt, dass sie ihre gemeinsame Chorzeit in einem Buch dokumentieren wollten. Um auch bei anderen jungen Menschen Lust am Singen zu wecken. Derart prägend erfuhren die Sänger ihre Chorgemeinschaft, so intensiv waren die Erfahrungen dort, dass sie sie nicht vergessen können, sie unbedingt weitergeben wollen. Markus etwa versichert: „Ich glaube ich spreche nicht alleine, wenn ich sage, dass der Chor ein ganz wichtiger Teil meines Lebens war.“ Der Chor habe ihn verändert, bekennt er. Nicht nur, dass er in seiner Bass-Stimme sicherer wurde. Offener, gemeinschaftsfähiger und auch selbstsicherer sei er geworden. „Mit Menschen zu singen, mit denen man befreundet ist, ist ein ganz besonderes Gefühl der Verbundenheit“, meint Markus.
Nicht wenige halten dem Chor noch Jahre die Treue, nachdem sie ihr Studentenleben schon hinter sich gelassen haben und bereits im Beruf stehen. Derart fest geknüpft erleben sie die freundschaftlichen Bande. Sicher hat sich auch die eine oder andere partnerschaftliche Beziehung zwischen Männlein und Weiblein im Chor geknüpft, gibt Michaela Damm zu, selber inzwischen als Sozialpädagogin fest im Beruf. Solche Beziehungsstiftungen blieben jedoch Ausnahme. „Das hat schon der große Frauenüberschuss im Chor verhindert!“, gibt Jenny Minkus schmunzelnd zu bedenken. Drei Viertel weiblichen stehen nur ein Viertel männliche Gesangswillige gegenüber. Daher sind die Chormitglieder stets auf der Suche, noch Männerstimmen zu gewinnen.
Wenn sich auch kaum Paare fanden, Freunde seien sie alle geworden, versichert Jenny. Ein Studentenchor erlebt notgedrungen eine große Fluktuation. Jedes Semester verlassen wieder welche den Chor. Damit trotzdem ein Gemeinschaftsgefühl entstehen kann, brauchen die Mitglieder viel Offenheit füreinander. Anna Heiny erinnert sich gern daran, wie rührend sich Einzelne nach den ersten Proben um sie kümmerten. Wie sie gleich zum Chorwochenende mit eingeladen wurde, obwohl sie erst wenig vom Repertoire mitbekommen hatte und sich beim Singen noch unsicher fühlte. Dass sie eine Mitsängerin gleich zur „Nachprobe“ mit in die KHG-Kellerbar bugsierte, hat bei Anna das Eis gebrochen. Diese Nachprobe in der Bar habe oft sehr lange gedauert, erinnert sie sich. Dort diskutierten die Studentinnen über Liebesprobleme und Glaubensfragen, heckten die Sänger gemeinsame Unternehmungen aus und planten sie, lernten einander persönlicher kennen, wie Anna erzählt. „Die Kellerbar, das wurde für uns ein ganz wichtiger Ort, dort schlossen wir Freundschaft.“
Fast jede Woche entwickelte sich so aus privater Initiative eine Freizeitunternehmung. Oft trafen sich einzelne Chormitglieder auch am Wochenende. Und weil die vereinzelt lebenden und lernenden Studenten auch immer wieder Sehnsucht nacheinander und dem Chor verspürten, richtete Chorleiter Florian als Informatiker ein E-Mail-Forum ein. Über einen zentralen Mailverteiler konnten dann die Chormitglieder auch zwischendurch stets miteinander kommunizieren. In einer Art basisdemokratischem Verfahren wurden alle Einzelheiten der Choraktivitäten intensiv durchdiskutiert, manchmal auch kontrovers und sehr emotional. Manche nervten die mehrmals täglich hin und her wechselnden Mails, andere, wie Michaela, berichten dagegen von Entzugserscheinungen, wenn einmal keine Mailbotschaft vom Chor ein-ging. Auch Anna fand es wichtig, dass über den E-Mail-Verteiler jeder an den Aktivitäten des Chores mitplanen konnte. Wenn die Sängerinnen und Sänger nach den jährlichen großen Chorfahrten in den Semesterferien wieder auseinanderströmten, lief der Mail-Draht besonders heiß. Anna erinnert sich: „Das war schön, von den anderen dann wieder etwas zu erfahren, wie es ihnen gefallen hatte und wie sie sich bedankten!“ Dass alle an den Entscheidungen beteiligt waren, hat nach Jenny auch dazu geführt, dass viele im Chor Mitverantwortung übernahmen und etwas für die anderen organisierten. Chormitglieder zum Beispiel nutzten die Chorfahrten, um den anderen ihre Heimat zu zeigen; was dem Programm stets eine sehr persönliche Note gab. So erlebte der KHG-Chor beispielsweise mit seiner Sängerin Erika Litauen, mit den Sängern Akos und Enikö Ungarn und mit Arnold Scheveningen in Holland. Studenten der verschiedensten Fachrichtungen führte der Chor der Katholischen Hochschulgemeinde zusammen, Pädagogen, Informatiker, Betriebswirtschaftler. Das empfanden Anna und Michaela als befruchtend. „Da habe ich Menschen kennengelernt, die ich sonst nie getroffen hätte!“, gesteht Michaela. Auch das lässt der 30-jährigen Sozialpädagogin den Abschied vom Chor so schwer werden. Auch wenn sie sich gelegentlich unter den neuen Studenten schon sehr alt vorkommt.

Info
„Gib mir den richtigen Ton an“ heißt das Buch des KHG-Chores Paderborn. Es kostet 14,80 Euro und kann bei der Bonifatius-Buchhandlung bestellt werden (Telefon 05151/153-142, E-Mail: buchhandlung@bonifatius.de). Das Buch demonstriert, wie sehr Singen verbindet und wie es gelingen kann, einen Chor zu einer lebendigen Gemeinschaft werden zu lassen. Auch andere Chöre werden in dem Buch mit Vergnügen lesen.


24.05.2012
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