Kommentar
Wie Kaufladen spielen
Mit dem Beginn des Jahres ist der neue Gesundheitsfonds in Kraft getreten. Die Beiträge für die Krankenkassen sind gesetzlich vorgeschrieben und betragen einheitlich 15,5 Prozent des Einkommens. Ebenso sind nach Aussagen von Experten 95 Prozent der Leistungen der Krankenkassen per Gesetz geregelt. Dennoch teilen sich rund 220 gesetzliche Krankenkassen den Markt.
Gerd Vieler (52) ist
Chef vom Dienst des DOM
De Fakto ist seit dem 1. Januar in Deutschland ein staatliches Gesundheitssystem eingeführt, wie es in einigen anderen europäischen Staaten bereits besteht. Auch dort ist es nicht immer das Ei des Kolumbus und es gibt Finanzierungslücken. Doch Deutschland leistet sich ein vereinheitlichtes „staatliches“ Gesundheitssystem, das von rund 220 gesetzlichen Krankenkassen „individuell“ privat verwaltet wird. Nur fünf Prozent der Leistungen sind überhaupt variabel und stehen zur Disposition. Die Einnahmen werden, wenn keine Sonderbeiträge verlangt werden, zugeteilt. Dafür machen 220 Krankenkassen Budgetpläne, haben 220 Krankenkassen Verwaltungsapparate – alles eben in 220-facher Ausfertigung. Der Eine etwas kleiner als der Andere, aber alle tun das Gleiche ohne größeren Entscheidungsspielraum. Das erinnert ein wenig an das Kaufladenspielen von Kindern. Allerdings zu einem hohen Preis, denn bei jeder Kasse schlägt der Verwaltungsaufwand mit bis zu zehn Prozent zu Buche. Auf den Punkt gebracht, könnte wahrscheinlich ein Rechner – mit den entsprechenden Parametern ausgestattet – den überaus größten Teil der bundesweit einheitlichen „Entscheidungen“ für die 70 Millionen gesetzlich Versicherten übernehmen.
Stattdessen leistet sich unser Gesundheitswesen angeblich konkurrierende Kassen, die alle das Gleiche nebeneinander tun müssen. Das macht bei der jetzigen Konstellation keinen Sinn mehr.






