Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Wertschätzung und Lob machen Mut!

Diether Wegener ist Diakon im Pastoralverbund Detmold.

Die Worte Jesu von Salz und Licht sind Worte der Wertschätzung für jeden / jede von uns. Sie machen Mut und schenken Kraft. 

von Dieter Wegener 

Ich habe ein Geheimnis entdeckt:

Wir loben einander zu selten. 

Kinder wachsen nicht ohne Lob.

Wir lassen einander nur gelten

mit jener schweigenden Toleranz,

die die Fremdheit zwischen uns steigert.

Und jeder wartet auf das Wort.

das einer dem andern verweigert.

 

Dieses Gedicht stammt von der am 3. Januar verstorbenen Lyrikerin Eva Strittmatter. Eva Strittmatter lebte im brandenburgischen Schulzenhof bei Gransee und wäre am 8. Februar 81 Jahre altgeworden. Ihre Gedichte begleiten mich seit einigen Jahren. Beim Lesen des heutigen Evangeliums kamen mir die oben geschriebenen Zeilen in den Sinn.

Es ist eine Binsenweisheit: Wenn du einen Menschen ermutigen willst, musst du ihn loben! Und doch beherzigen wir diese Weisheit so selten. Kritisieren, jammern und mäkeln können wir Deutschen besser als jedes andere Volk der Welt, sagt man uns im Ausland nach. Wenn es um Kritik geht, macht uns so schnell keiner etwas vor. Da sind wir Spitze. Jemandem etwas Gutes sagen, ihn loben, ihn unsere Wertschätzung spüren lassen, fällt uns dagegen in der Regel sehr schwer.

Wenn du jemanden ermutigen willst, dann musst du ihn loben! Diese Binsenweisheit gilt auch für den kirchlichen Bereich. Viele kennen noch die Zeiten, in denen Glaube und Kirche oftmals mit dem erhobenen Zeigefinger verbunden waren. „Du musst, wir sollten, wir dürfen nicht…“ diese Botschaft haben viele von uns immer wieder gesagt und vermittelt bekommen. Viele tragen schwer an diesen Verinnerlichungen. Besonders tragisch ist es, wenn dadurch die befreiende Botschaft des Evangeliums verdunkelt wird. Um nicht missverstanden zu werden: Auf Gebote und Normen hinzuweisen und ihre Übertretung anzuprangern, wo Leben, Freiheit und Würde bedroht sind, gehört zu den Pflichten der Kirche. Das steht außer Frage. Aber wenn Glaube und Kirche beim Einzelnen dauerhaft mit Gefühlen von Druck und Angst verbunden sind, dann stimmt etwas nicht. Wer sich ständig Anforderungen gegenüber gestellt sieht, die er nicht erfüllen kann, wird nie zu einem befreienden und gesunden Glauben finden und Gottvertrauen entwickeln können. 

Wenn du jemanden ermutigen willst, dann musst du ihn loben! Vielleicht liegt eine Ursache für die heutige Erosion von Glaube und Kirchlichkeit in der Erfahrung vieler Menschen, dass sie im Zusammenhang mit Kirche und Religion zu wenig Beachtung, Wertschätzung und Ermutigung erfahren haben. 

Wenn du jemanden ermutigen willst, dann musst du ihn loben! – Jesus war von dieser Erkenntnis ganz und gar durchdrungen. „Ihr seid das Salz der Erde“, hat er den Menschen zugerufen. „Ihr seid das Licht der Welt.“ Er hat nicht gesagt: „Ihr müsst euch anstrengen, um Salz der Erde zu werden“, oder „Ihr müsst euch anstrengen, damit ihr Licht für die Welt sein könnt.“ Seine wohlgesetzten Worte ermutigen und setzen im Gegenüber positive Energien frei. Wer Beachtung und Wertschätzung erfährt, der kann sich aufrichten, der strahlt auf. Und wer aufstrahlt, der strahlt auch auf andere aus. Wahrnehmung und Lob sind ein Schlüssel für Veränderungen. Wohlwollen und Barmherzigkeit gehören zu den Eigenschaften Gottes. In diesem Sinne schenken die Worte Jesu Vertrauen und lassen eine Atmosphäre entstehen, in der Glaube wachsen kann.

Wenn du jemanden ermutigen willst, dann musst du ihn loben! – „Ihr seid das Salz der Erde ... Ihr seid das Licht der Welt.“ – Es tut gut, diese Worte zu hören. Sie lassen frohgemut nach vorne blicken.

 

 


24.05.2012
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