Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gemeindemitglieder verfolgten den Guss ihrer Kirchenglocken

Wenn Bronze fließt

Auch für die Herren in den speziellen Hitzeschutzanzügen ist jeder Glockenguss ein ganz besonderer Akt. Foto: Lauster

Verl-Kaunitz. Andernorts werden Kirchen aufgegeben, in Kaunitz indes bekommt das Gotteshaus der Katholischen Kirchengemeinde St. Maria Immaculata vier neue Glocken. Den Guss der edlen Klangkörper verfolgten jüngst in der Eifel 108 Gemeindemitglieder im Alter von sechs bis 82 Jahren. Die mussten zwar früh aufstehen, wurden dafür aber mit unvergesslichen Eindrücken belohnt.

Ziel der Fahrt mit zwei Bussen war die Eifeler Glockengießerei Johannes Mark. Dort wurden die vier neuen Glocken gegossen, die ab dem Herbst im Turm der Kaunitzer Kirche erklingen sollen. Die Klangkörper aus Bronze sollen Jesus Christus, der Heiligen Hildegard, der Heiligen Mutter Anna und der Jungfrau Maria geweiht werden und werden künftig gemeinsam mit der Maximilian das Gesamtgeläut der Kirche bilden. Beeindruckend für alle schon die Führung durch die Glockengießerei. Dabei erläuterten die Glockengießermeisterin Claudia Mark-Maas und Mitarbeiter des Unternehmens den Teilnehmern sämtliche Arbeitsschritte des Entstehens einer Glocke – vom Bau der „Rippe“ (der Schablone mit dem künftigen Profil des jeweiligen Klangkörpers), dem Bau der drei Formenteile „Lehmkern“, „Falsche Glocke“ und „Mantel, über den eigentlichen Guss bis hin zur Überprüfung der gegossenen Klangkörper auf Risse beziehungsweise auf den korrekten Schlagton.
Die „falsche Glocke“, auf die zuvor auch Bildnisse, Verzierungen und Schriften aufgesetzt wurden, wird vor dem Guss aus der Dreierschicht herausgelöst. In den verbleibenden Hohlraum zwischen Kern und Mantel wird beim eigentlichen Guss, zu dem die Glockenformen in der sogenannten „Gussgrube“ schichtweise mit Erde bedeckt werden, die in einem Spezialofen auf 1100 Grad Celsius erhitzte Bronze eingeleitet.
„Das war der beeindruckendste Moment“, erinnert sich Pfarrer Joachim Cruse an die knisternde Stimmung, die über dem Geschehen gelegen habe.
Ein in besinnlicher wie gespannter Atmosphäre gesprochenes Segensgebet für die Bronze, nach dem eigentlichen Glockenguss der Dankpsalm 150 sowie ein gemeinsam mit den Mitarbeitern der Glockengießerei gesungenes „Großer Gott, wir loben dich“ waren der Abschluss des besonderen Ereignisses, bevor sich die Reisegruppe aus Kaunitz verabschiedete. Auf der Rückfahrt besuchten die Teilnehmer noch die Benediktinerabtei Maria Laach, um dort in Ruhe noch einmal die besonderen Eindrücke auf sich wirken zu lassen.
Nun hoffen alle, dass beim Guss alles glatt gelaufen ist, dass keine Risse entstanden sind und deswegen noch einmal neu gegossen werden muss. Auch die Abnahme durch einen Glockensachverständigen muss noch erfolgen. Das gesamte Procedere werde noch einmal rund zwei Monate in Anspruch nehmen, heißt es.
Hubertus Ebbesmeyer


24.05.2012
Impressum | Kontakt
4002