Aktuelle Ausgabe
2012-20

Verbunden mit den christlichen Schwestern in der ganzen Welt

Weltgebetstag der Frauen wird 60: Informiert beten und betend handeln

Lisa Schürmann (26) stammt aus Herdecke. Nach dem Studium der Englischen Philologie, Politik und Literatur in Kiel und Göteborg (Schweden), arbeitete sie unter anderem bei der „kirche“ (ev. Kirchenzeitung für Berlin). Danach folgte das Volontariat bei der Stephanus-Stiftung. Seit Februar 2009 als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Komitee e.V. des Weltgebetstages.

Er gilt als die weltweit größte ökumenische Basisbewegung, der Weltgebetstag der Frauen. Er prägt Kirchen und Globalisierungsprozesse entscheidend mit. In mehr als 170 Ländern feiern Menschen am 6. März, dem „Ersten Freitag im März“, den Weltgebetstag (WGT) mit einem Gottesdienst. 2009 begeht die weltweit größte ökumenische Basisbewegung darüber hinaus ihr 60-jähriges Bestehen in Deutschland.
von Lisa Schürmann

Als Bewegung bereits vor über 100 Jahren in den USA entstanden, wird im Jahr 1927 erstmalig ein Weltgebetstag gefeiert. In Deutschland beteiligen sich ab dieser Zeit bereits methodistische Frauen an den WGT-Gottesdiensten. Auch in den 1940er-Jahren wird von Weltgebetstagsfeiern berichtet, so laden, trotz der Nachwirkungen des Fraternisierungsverbotes, amerikanische Frauen im Berlin der Nachkriegszeit deutsche Frauen zu einem gemeinsamen Gottesdienst. Das Jahr 1949 wird dann zur eigentlichen „Geburtsstunde“ der Bewegung in Deutschland: Dr. Antonie Nopitsch, die damalige Leiterin des Bayerischen Mütterdienstes, hatte zuvor den Weltgebetstag auf einer internationalen ökumenischen Frauenkonferenz in den Niederlanden kennengelernt und ein erstes Exemplar der Gottdienstplanung von einer folgenden USA-Reise mitgebracht. Von Stein bei Nürnberg wird die Gottesdienstordnung ins Deutsche übersetzt, 10000 Exemplare gedruckt und deutschlandweit verschickt.
Die Reaktionen auf die Weltgebetstagsgottesdienste in den 1950ern sind zahlreich. Viele Frauen empfinden es als einen großen Schritt zu mehr Partizipation, dass sie als Laien eigenverantwortlich einen Gottesdienst leiten. Darin liegt eine große Chance für die Zukunft, die Stellung von Frauen in den Kirchen auch in Deutschland stetig zu verbessern. Nicht zu unterschätzen auch der Gewinn für die Ökumene: Von Anfang an sind neben den evangelischen Frauenorganisationen vor allem die sogenannten „kleinen Kirchen“ aktiv an der Ausbreitung des WGT beteiligt. Ab Anfang der 1970er kommen die römisch-katholischen Frauenverbände hinzu.
Mit dem zahlenmäßigen Wachsen der Weltgebetstagsbewegung wächst auch das Interesse und das Verständnis über den Zusammenhang zwischen Liturgie und der Lebenssituation derer, die die Liturgie verfasst haben. 1953 wird in Ost- und Westdeutschland erstmalig nach einer einheitlichen Gottesdienstordnung gefeiert, die von afrikanischen Christinnen geschrieben wurde. Dabei zeigt sich das Weltgebetstagsmotto: „informiert beten und betend handeln“. Miteinander zu beten, in den Worten der anderen, setzt voraus, sich über ihre Lebenssituation zu informieren und sich in ihre Lage zu versetzen.
„Betendes Handeln“ heißt Austausch von Gaben, wie Engagement und Zeit aber auch von materiellen Ressourcen. In den ersten Jahren ist die Kollekte in Deutschland noch für die Unterstützung von Frauen in Notsituationen im eigenen Land, wie Flüchtlingsfrauen, bestimmt. Die Gottesdienstordnung 1958 „Ich bin das Brot der Welt“ lenkt dann im wieder wohlhabenden Deutschland den Blick auf die katastrophale Situation von Menschen weltweit, die unter Hunger und Krankheiten leiden. 1959 spenden die WGT-Frauen aus Frankfurt/Main ihre Kollekteneinnahmen nach Ägypten. Zum ersten Mal ist der Kollektenzweck mit dem Land der Weltgebetstagsliturgie verknüpft. In den folgenden sechs Jahrzehnten werden ökumenische Frauenprojekte in immer mehr Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika gefördert. WGT-Frauen in Deutschland bekommen die Chance über die Situation von Frauen auf der ganzen Welt zu lernen. Noch ehe im entwicklungspolitischen Diskurs über die Rolle der Frauen im Entwicklungsprozess nachgedacht wird, entsteht dabei eine nachhaltige Zusammenarbeit. Viele politische Themen erzielen auch in den 1980er- und 90er-Jahren durch den Weltgebetstag eine Breitenwirkung: So die Anti-Apartheidsbewegung der WGT-Frauen oder das Engagement gegen Sextourismus in Folge der thailändischen WGT-Ordnung 1980.
Weltgebetstagsfrauen werden deutschlandweit auch in Zukunft informiert und bewusst die Liturgien von Schwestern aus der ganzen Welt feiern und in der Projekt­arbeit konkret andere Frauen unterstützen. Sie gestalten die Globalisierungsprozesse aktiv mit, treiben die ökumenische Zusammenarbeit voran und mischen sich, wo nötig, mutig ein.
Folgende Organisation sind in Deutschland Mitglied:
Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, Bund Alt-Katholischer Frauen, Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Die Heilsarmee,  Herrnhuter Brüdergemeine, Evangelische Frauen, Frauenwerk der Evangelisch-Methodistischen Kirche, Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden, Gemeinschaft Katholischer Gemeindereferentinnen, kfd, KDFB, Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland.


24.05.2012
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