Aktuelle Ausgabe
2012-20

Neue Broschürenreihe der Dokumentationsstelle für Kirchengeschichte

Weihnachtskrippen in Dortmund

Die Autoren Rolf-Jürgen und Brigitte Spieker mit Propst Andreas Coersmeier und Prof. Dr. Dieter Höltershinken, Leiter der Dokumentationsstelle für Dortmunder Kirchengeschichte (v.li.). Foto: Petri

Dortmund. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit werden sie in den Kirchen wieder aufgebaut – die Krippen. Die Darstellungen des Jesuskindes im Stall mit Maria und Josef, den Engelscharen und den Hirten faszinieren Groß und Klein und sind in der Weihnachtszeit beliebte Anziehungspunkte in den Kirchen. Dass es sich bei vielen Krippen gleichzeitig um wahre Kunstwerke mit einer ganz eigenen Geschichte handelt, können viele Besucher nur erahnen. 

von Anna Petri 

Die Dokumentationsstelle für Dortmunder Kirchengeschichte gibt in diesen Tagen eine Broschürenreihe heraus, die sich intensiv mit der Bedeutung und den Besonderheiten der Dortmunder Krippen auseinandersetzt. „Uns ist oftmals gar nicht richtig bewusst, welche Kunstschätze uns mit den Krippen jedes Jahr zur Weihnachtszeit in den Kirchen begegnen“, sagt Brigitte Spieker von der Dokumentationsstelle. Gemeinsam mit ihrem Mann Rolf-Jürgen hat sie die Broschüren verfasst. Darin haben die Autoren die Ergebnisse ihrer langjährigen Forschung zusammengetragen. Neben zahlreichen Farbfotos bieten die Broschüren auch Hintergrundinformationen zu den Besonderheiten und der Historie der Krippen.

Die Idee zu dieser Reihe sei mehr oder weniger zufällig entstanden, sagt Rolf-Jürgen Spieker. Sie sei erwachsen aus der langjährigen Auseinandersetzung der Spiekers mit den Kunstschätzen in den Dortmunder Kirchen im Rahmen ihrer Arbeit für die Dokumentationsstelle. Bereits vor einigen Jahren hat sich das Ehepaar für ein Buch mit der Geschichte der Glasmalerei in den Kirchen der Stadt beschäftigt. „Dafür haben wir alle Kirchen besucht, uns ausführlich mit den dortigen Kunstschätzen auseinandergesetzt und diese fotografisch dokumentiert und archiviert“, berichtet Rolf-Jürgen Spieker. Dabei wurden auch die Krippen fotografiert, ohne dass es die Idee gab, darüber zu schreiben.

Für das jetzige Projekt haben die Spiekers über 170 Krippen dokumentiert, über etwa 40 von ihnen ist jetzt in den ersten sieben Bänden der Broschürenreihe zu lesen. „Wir durften während unserer Arbeit feststellen, dass es eine große Anzahl an ausgesprochen sehenswerten Krippen in den Dortmunder Kirchen und Einrichtungen in der Weihnachtszeit gibt“, erklärt Brigitte Spieker. Sie betont, dass viele der wertvollen Stücke aber nicht nur in den Kirchen zu finden sind. Auch in Einrichtungen wie Altenheimen oder Krankenhäusern würden zu Weihnachten sehr schöne Krippen aufgebaut. 

Die ersten sieben Bände der Broschürenreihe sind im DIN-A5-Format gestaltet. „So kann man sie bequem mitnehmen, wenn man auf eigene Faust eine Krippenwanderung unternimmt, um die Kunstwerke zu bewundern“, sagt Rolf-Jürgen Spieker.

Auf den Bildern und in den Beschreibungen gibt es viele Einzelheiten zu entdecken, die dem flüchtigen Betrachter in der Kirche leicht verborgen bleiben. Besonders beeindruckt hat Brigitte Spieker die große Vielfalt unter den Krippen. „Es gibt die verschiedensten Darstellungen in den unterschiedlichsten Größen und Materialien. Von Terracotta-Krippen über Krippen aus Gips und dem besonders edlen Eichenholz ist alles vertreten.“ Neben einer Reihe typisch westfälischer Krippen seien auch einige von Künstlern aus Oberammergau gestaltet worden. „Jede Krippe spiegelt auf ihre Art auch die große Volksfrömmigkeit in den Gemeinden wider“, fügt Prof. Dr. Dieter Höltershinken von der Dokumentationsstelle hinzu. 

Die Älteste unter den Krippen findet man jedes Jahr in der St.-Clemens-Kirche in Dortmund-Hombruch. Sie besteht aus 16 Gipsfiguren und ist etwa 150 Jahre alt. Eine der jüngsten Krippen befindet sich in Dortmund-Aplerbeck. Sie ist kaum älter als 30 Jahre. „Etwas sehr Interessantes lässt sich feststellen, wenn man die Darstellungen des Jesuskinds in der ältesten und jüngsten Krippe miteinander vergleicht“, merkt Brigitte Spieker an. So sei das ältere Jesuskind vor allem in seiner göttlichen Pracht dargestellt, als Weltenherrscher mit einer segnenden Geste. Beim jüngeren Kind liege der Schwerpunkt dagegen auf seiner Menschlichkeit. Die Figur zeige ein schlafendes, schutzbedürftiges Baby.

Die Broschüren mit jeweils rund 50 Seiten sind ab sofort in den Kirchengemeinden sowie der Bonifatius-Buchhandlung in Dortmund zum Preis von 4 Euro erhältlich.


24.05.2012
Impressum | Kontakt
4002