Aktuelle Ausgabe
2012-20

Weihnachtspredigt von Erzbischof Hans-Josef Becker im Hohen Dom

„Weihnachten ist Auftrag“

Erzbischof Hans-Josef Becker. Foto: Vieler

Paderborn (pdp). Den „zutiefst menschlichen Gott“ hat Erzbischof Hans-Josef Becker in den Mittelpunkt seiner diesjährigen Weihnachtspredigt gestellt. Im Pontifikalamt am Ersten Weihnachtstag im Hohen Dom bezeichnete er die Menschwerdung Gottes als Auftrag an alle Christen: „Weihnachten ist nicht Stimmung, sondern Auftrag“, sagte er. „Auch von uns verlangt dieser Mensch gewordene Gott schlichte Menschlichkeit.“

Die Sehnsucht nach Gott stecke in jedem Menschen, so Erzbischof Becker, „auch in uns nüchternen Rationalisten der sogenannten ‚zweiten Aufklärung‘ zu Beginn des dritten Jahrtausends“. Manch einer gerate angesichts des Weihnachtsgeheimnisses jedoch in Schwierigkeiten mit diesem Gott, weil die Erwartungen ihm gegenüber ganz anders seien: „Wer Gott sagt, denkt an Macht und Herrlichkeit, an Glanz und Hoheit“. Gott dagegen spreche zum Menschen in einem machtlosen Kind.
Der Erzbischof rief dazu auf, trotz möglicher Enttäuschung Gott so anzunehmen, wie er sei. Enttäuscht zu werden könne sogar etwas Gutes bedeuten: „Denn wo jemand enttäuscht wird, da ist ihm die Binde von den Augen genommen, und da bestimmen nicht mehr seine Vorstellungen die Welt, sondern da treten die Dinge so an den Tag, wie sie nun einmal sind. Ohne Täuschung.“
Mit Hilfe dieser „Ent-Täuschung“ zerstöre Gott falsche Vorstellungen und verweise zurück auf ganz alltägliche, menschliche Erfahrungen: „Wir finden Gott nicht in immer abstrakteren und geistreicheren Windungen und Verrenkungen. Nein: Gott ist dort zu finden, wo es ganz alltäglich zugeht“, sagte Erzbischof Becker. „Von den Höhen des Geistes müssen wir zurückkehren in die Normalität und auch in die Kümmerlichkeit des Alltages und der ganz kleinen Leute.“ Nur dort könne man sehen, wer und wie und was Gott ist: „Gott ist die Liebe, die sich ganz und gar hingibt und sich bis zum letzten Atemzug ausliefert.“
Damit zeige das Weihnachtsgeheimnis dem Menschen ein für alle Mal die Richtung, die man gehen müsse, um Gott zu finden. „Wenn wir den Weg gehen, auf dem er zu uns gekommen ist, dann kann es sein, dass wir irgendwann einmal verstehen, dass Jesus sagen konnte: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“


24.05.2012
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