Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Was tun gegen Zwangsehen?

von Andreas Wiedenhaus 

Die von Familienministerin Kristina Schröder vorgelegte Studie „Zwangsverheiratung in Deutschland“ hat für einiges Aufsehen gesorgt. Danach waren im Jahr 2008 knapp 3500 Frauen und Männer in Deutschland von Zwangsverheiratung bedroht oder betroffen. Fast alle hatten einen Migrationshintergrund. 83 Prozent stammten aus muslimischen Familien, heißt es in der Studie. Diese Zahlen allerdings sind mit Vorsicht zu betrachten: Grundlage waren diejenigen Menschen, die eine Beratung zum Thema Zwangsheirat in Anspruch genommen haben. Es ist davon auszugehen, dass eine ganze Reihe von Frauen und Männern mehrere Gespräche geführt haben. Auch wenn diese Angaben also letztlich keine „Fallzahlen“ darstellen und nicht wirklich repräsentativ sind, so vermitteln sie doch einen Einblick in einen Bereich, über den bisher viel spekuliert wurde.

Bei allen Hilfsangeboten ist fraglich, ob sie die Betroffenen überhaupt erreichen. Ebenso ist die Tatsache, dass Zwangsverheiratungen einen Straftatbestand darstellen, in diesem Zusammenhang wohl eher nebensächlich.

Es wird nämlich nicht nur in dieser Frage entscheidend darauf ankommen, teils hermetisch abgeschottete soziale und familiäre Strukturen aufzubrechen. Eine Aufgabe, die aufgrund eines viel zu langen Wegsehens nicht leicht zu lösen sein dürfte. Bei allen Bemühungen muss immer wieder deutlich gemacht werden, dass Traditionen, die mit den Grundrechten in Deutschland nicht zu vereinbaren sind, hier auch keine Existenzberechtigung haben.


24.05.2012
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