Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Völlig aus der Spur

Bis zu fünf Euro hätten Bahnkunden nach dem geplanten Preissystem der Bahn in Zukunft für den Fahrkartenkauf am Schalter zusätzlich zahlen müssen. Schließlich ließ das Unternehmen nach massiven Protesten den Plan fallen.

 

Andreas Wiedenhaus (46)

ist Redakteur des DOM

 

Ist es der „Tunnelblick“ auf potenzielle Aktionäre, der Bahnchef Hartmut Mehdorn auf solche Ideen bringt? Der in letzter Sekunde verworfene „Bedienzuschlag“ für den Kauf einer Fahrkarte am Schalter lässt es jedenfalls vermuten. Kunden scheinen für Mehdorn in erster Linie dazu da zu sein, zur Kasse gebeten zu werden. Denn der völlig abseitige Bedienzuschlag war letztlich nichts anderes als eine verdeckte Preiserhöhung. Rund 6,5 Prozent wäre das Bahnfahren insgesamt teurer geworden, schätzen Experten.

Die Notbremse für Mehdorn mussten schließlich andere ziehen. Dass der Bahnchef nicht angesichts der massiven Proteste selbst zur Vernunft kam, sondern sogar von der Bundeskanzlerin dazu gebracht werden musste, ist symptomatisch für das Verhalten dieses Mannes. Wenn er die Fähigkeit besitzen würde, aus Schaden klug zu werden, hätte er in Sachen Fahrpreise dieses Mal vielleicht vorsichtiger agiert. Denn schon 2002 hatte er mit dem von ihm geplanten und völlig unverständlichen Preissystem „Plan und Spar“ eine echte Pleite erlebt.

Vertrauen dürfte Mehdorn auf Investorenseite mit dieser Eskapade ebenfalls wohl kaum gewonnen haben. Wer setzt schon auf einen Unternehmenslenker, der mehrfach das gleiche Abstellgleis ansteuert?


24.05.2012
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