Der bekannte Theologe Prof. Dr. Klaus Berger referierte in Paderborn
Urchristen als „Kommunisten“
Paderborn. An dem Theologen Prof. Dr. Klaus Berger scheiden sich die Geister. Schlagzeilen machte er vor zwei Jahren, als er von der evangelischen Kirche in die katholische wechselte– und das nach 32 Jahren als Professor für Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg. Immer wieder betonte der gebürtige Katholik die katholische Kirche niemals verlassen zu haben, lediglich all die Jahre evangelische Kirchensteuer bezahlt zu haben. Seinen Auftritt in der Bonifatius-Buchhandlung in Paderborn wollten sich deshalb rund 100 Neugierige nicht entgehen lassen.
von Andreas Götte
Nach Paderborn gekommen war der Theologe jedoch, um aus seinem neuen Buch „Die Urchristen“ vorzutragen. „Ich halte eine Lesung für langweilig“, sagte der 67-Jährige zu seinem gespannt wartenden Publikum zwischen den Bücherregalen.
Und die hörten auf Nachfrage auch etwas über seine Meinung zur künftigen Rolle der Frau in der katholischen Kirche. „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Gemeinde-Leitung wegen des Priestermangels künftig verstärkt in der Hand von Frauen liegen wird“, so der Neutestamentler. Für eine Priesterweihe von Frauen könne er sich jedoch nicht einsetzen. „In der biblischen Religion gibt es keine Möglichkeit, dass Frauen Priester werden“, sagte er. Dennoch brach der Theologe, der Zeit seines Lebens gern als Provokateur auftrat, eine Lanze für die Frauen. In ihren Händen liege die „Primärmission“. „Das Entscheidende am Christentum liegt in der Basis“, führte der Theologe weiter aus. So hätten in den Hausgemeinden früher stets Frauen an der Spitze gestanden.
Das eigentliche Thema des Abends – die Geschichte des Urchristentums – gehörte nach Auskunft Bergers „immer zu meinen Lieblingsvorlesungen“. Bevor sich das Christentum durchsetzen konnte, stand es fast 500 Jahre in Konkurrenz zum römischen Kaisertum. „Gegen die Sehnsucht der Menschen nach einem gottähnlichen Politiker etablierte die Kirche die wahre Einheit zwischen Gott und Mensch“, führte Berger aus.
Einen großen Vorteil des Christentums sieht der streitbare Theologie in der sozialen Geborgenheit. So sei die Religion kein abstraktes Prinzip, sondern sehe stets Gott und sein Volk als Ganzes. Auch die Verbindung zur Ethik sei attraktiv am Christentum.
Berger schlug auch den Bogen zur Politik. Das Christentum habe es geschafft, Größen wie das Geld zu relativieren und Standes- und Besitzunterschiede im gemeinsamen Mahl aufzuheben. Das sei „auch ein Stück Kommunismus“, erläuterte der in Goslar aufgewachsene Theologe. Das Christentum zeige sich in der Öffentlichkeit stets als Heilungsreligion. „Die Evangelien sind voll davon“, so Berger. Immer, wenn dieser Bezug vernachlässigt worden sei, seien Sekten entstanden. Eine klare Position bezog der schillernde Theologe zur Trinitas. Die Dreifaltigkeit bedeute keinesfalls, dass es gleich drei Götter gebe. Es existiere nur ein Gott, der jedoch stark aus sich herausdränge – als Gott im Himmel, als Jesus und als Heiliger Geist in jedem von uns.
Schließlich griff der Gast aus Heidelberg noch provokative Thesen des Apostels Paulus auf, der Verstöße gegen Konventionen dann duldete, wenn es niemand sah und deshalb auch keinen Anstoß nehmen konnte. Als „Idealzustand“ bezeichnete der zum zweiten Mal verheiratete Theologe zudem „die Jungfräulichkeit, so wie Paulus ganz für den Herrn da zu sein“.







