Kommentar
„Unsere“ Flüchtlinge
von Matthias Nückel
Die Zahl der Flüchtlinge aus Nordafrika steigt weiter an. Der Ansturm auf Europa wird besonders auf der italienischen Insel Lampedusa deutlich. Italiens Ministerpräsident Berlusconi versucht nun mit allerlei Tricks, die Flüchtlinge in andere europäische Länder zu schleusen.
Dies ist nur ein Beispiel für die verfehlte Flüchtlingspolitik in der Europäischen Union. Auf weitere Versäumnisse haben jetzt deutsche und afrikanische Bischöfe aufmerksam gemacht. Die Arbeit der europäischen Grenzschutzagentur Frontex werfe „erhebliche menschenrechtliche Probleme“ auf, kritisieren die Bischöfe. Zugleich fordern sie, Asylbegehren angemessen zu prüfen und bei Abschiebungen humanitäre Standards einzuhalten.
Mit ihren kritischen Äußerungen haben die Bischöfe den Finger in die Wunden der europäischen Flüchtlingspolitik gelegt. Allzu sehr herrscht noch die Mentalität vor, Europa zur „Festung“ gegen Fremde aufzubauen.
Das jedoch ist falsch. Denn die Flüchtlinge aus Afrika sind auch „unsere“ Flüchtlinge. Europa hat die Flüchtlingsströme zum großen Teil selbst verschuldet. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick wies zu Recht darauf hin, dass die Europäer an der viel zitierten Vetternwirtschaft in Ländern wie Ägypten oder Libyen nicht ganz unschuldig seien.
Europa hat Diktatoren wie Mubarak und Gaddafi allzu lange unterstützt. Deshalb muss die EU jetzt Farbe bekennen und eine aktive Flüchtlingspolitik betreiben. In erster Linie bedeutet dies, in den Ländern Nordafrikas stabile Verhältnisse zu schaffen, damit die Menschen einen guten Grund haben, in ihrer Heimat zu bleiben.






