600 Jugendliche feiern Gottesdienst mit Weihbischof Matthias König
Überraschende Erfahrungen
Paderborn. „Das hatten wir lange nicht mehr“, sagt Küster Otto Hölnigk und blickt mit einer Mischung aus Rührung und Faszination in die St.-Kilian-Kirche in Paderborn, in der 15 Minuten vor Beginn des Gottesdienstes kein Sitzplatz mehr frei ist und die Stehplätze langsam knapp werden.
von Claudia Auffenberg
Er hätte auch sagen können: „Das hatten wir noch nie“. Denn die, die sich da in den Kirchenbänken drängen, sind durchschnittlich 15 Jahre alt. Es sind rund 600 Firmbewerber aus dem Dekanat Paderborn, die zum Gottesdienst mit Weihbischof Matthias König in die St.-Kilian-Kirche gekommen sind, die dem Dekanat Paderborn als Jugendkirche dient. Weihbischof König kommt im April und Mai auf Firmreise ins Dekanat Paderborn. Der Gottesdienst in der Jugendkirche ist für viele Jugendliche eine Gelegenheit, den Bischof schon einmal zu erleben. Einen Mann in dieser Kleidung, sagen einige hinterher, kennen sie von Libori oder als Nikolaus.
Auch ein paar Eltern sind da. Sie gehören der Generation an, die beim Wort Jugendgottesdienst wohl wehmütig an schlecht kopierte Liederzettel und moralische Anspiele vor der Predigt denkt. Diese Zeiten sind längst vorbei. „Wir arbeiten heute über Optik“, sagt Rainer Fromme, Referent für Jugend und Familie des Dekanates Paderborn. Mit Scheinwerfern wird die Kirche in rotes Licht getaucht. Ein Beamer projiziert die Liedtexte auf eine große Leinwand. Mitgesungen wird deshalb zwar kaum, aber immerhin gibt es Applaus nach jedem Lied. Und es werden Fotos gezeigt von einer Aktion namens „Powerpainting“, zu der sich neulich 50 Jugendliche in der Kirche versammelt hatten. Die Bilder, die dabei entstanden sind, sind vor und hinter dem Altar aufgebaut. Das ist auch schon das einzige, was vom regulären Ablauf der Liturgie abweicht. „Für die meisten Jugendlichen ist die normale Messe schon etwas Außergewöhnliches“, sagt Dechant Benedikt Fischer. Da brauche man die nicht auch noch aufzuladen.
Thema des Gottesdienstes ist der Heilige Geist, nicht nur weil diese Messe eine Art inoffizieller Auftakt zur Firmung ist, sondern auch die dritte in einer kleinen Reihe zur Dreifaltigkeit. In seiner Begrüßung bittet Dekanatsjugendseelsorger Thomas Bensmann den Weihbischof darum, den Jugendlichen den Heiligen Geist zu erklären, „die schwierigste der göttlichen Personen“. König bekennt gleich zu Beginn seine eigene Unsicherheit: „Als ob ich die Antwort wüsste.“ Der Ungeist lasse sich ja viel leichter definieren, sagt er und erzählt den Jugendlichen von der Bischofskonferenz, die in der Woche zuvor in Hamburg stattfand. Harmonisch, froh und konstruktiv sei sie gewesen, so König, aber wenn er morgens die Zeitungen gelesen habe, dann sei er doch reichlich verwundert gewesen. „Entweder habe ich die Hälfte verschlafen oder ich war auf einer anderen Veranstaltung.“ Jedenfalls ahne er, was manche Politiker durchmachen. „Ihr kennt das vielleicht auch, wenn ihr euch als Klassensprecher einsetzt.“ Diese Lust am Nörgeln und Kleinmachen, am Ärgern und Zerstören sei der Ungeist. Der Heilige Geist dagegen führe zusammen und ermögliche Menschen Dinge, die sie sich nie zugetraut hätten.
Solch überraschende Erfahrungen macht Weihbischof König nach eigenen Worten immer wieder in der Begegnung mit Jugendlichen, im Gottesdienst oder danach. „Ich habe da eben noch mit einem freakigen Typen gesprochen“, erzählt er nach der Messe und meint einen jungen Mann mit langen Haaren und langem schwarzem Rock: „Der war unheimlich nett.“ Der „freakige Typ“ ist ein Firmbewerber aus der Paderborner Südstadt und hatte bis zur Firmvorbereitung kaum noch Kontakt zur Kirche. Zuletzt war er an Weihnachten in der Messe und davor im vorletzten Jahr Weihnachten. „Aus Neugierde“ hat er sich zur Firmvorbereitung angemeldet und ist bislang nicht enttäuscht. „Die Leute sind gut drauf, es macht Spaß“, sagt er und: „Man kann sich ganz offen über religiöse Fragen unterhalten.“ Wie sagte Küster Otto Hölnigk vor Beginn der Messe so richtig: Das hatten wir lange nicht.







