Gedanken zum Evangelium
Tür und Tisch und unser Glaube
Mit dem Bild von der Tür und vom Tisch schlüsselt Werner Schaube den Sinn des durchaus sperrigen Sonntagsevangeliums auf.
von Werner Schaube
Wenn ich den Text des Evangeliums vom Ende her lese, drängen sich mir zwei Bilder auf, die mit persönlichen Erfahrungen zusammenhängen:
Das Tür-Bild
Mir gefallen schöne Türen, sie sind die Visitenkarte eines Hauses. Eine Tür kann so etwas wie eine freundliche Einladung sein. Alles, was eine Tür ausmacht, erfährt man, wenn sie sich öffnet, wenn man durch sie hindurch geht. Die Tür ist kein Selbstzweck, sondern immer Mittel zum Zweck. Andererseits eine verschlossene Tür, ein abweisendes Bollwerk, eine Sperre, eine Festung? Was für ein „quer liegender“ Gedanke?
Mir fehlt die bedrohliche Einbildungskraft, von der im Text die Rede ist.
Das Tisch-Bild
In unserem Garten steht ein großer Tisch. Er bietet reichlich Platz für zwölf Personen – wenn man etwas zusammenrückt, können sogar 16 Leute daran sitzen. Und an schönen Sommerabenden kommen Freunde zu Besuch, lassen sich nieder, nehmen Platz, machen es sich gemütlich. Man isst und trinkt, man unterhält sich. Eine Tischgesellschaft, eine Tischgemeinschaft – nichts anderes. Geht es da um die Sitzordnung bei Tisch? Ich käme nicht auf einen solchen Gedanken, aber auch davon ist im Text die Rede.
Und nun lese ich den Text vom Anfang her:
Schon die Eingangsfrage: „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ ist für unser gegenwärtiges Lebensgefühl und unser aktuelles Glaubensverständnis ebenso schwierig wie fragwürdig. Was meint Rettung? Wer nicht in größter Not ist, kann sich wenig darunter vorstellen. Nur wem das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals steht, hat vielleicht eine Ahnung davon. Wer aber diese lebensbedrohliche Situation nicht aus eigener Erfahrung kennt, für den ist das Wunder des Gerettet-Seins allenfalls ein Bild.
Eine weitere Schwierigkeit: einige werden gerettet, andere nicht. Wie passt das zusammenmit der Vorstellung, dass alle Menschen einerseits Sünder sind, andererseits aber von der Sünde befreit wurden durch Gottes menschgewordene Güte. Widerspricht der Gedanke nicht der neutestamentlichen Kernbotschaft von der befreienden Erlösung und der lebendigmachenden Auferstehungshoffnung?
Sperrig wirkende Bibeltexte sind eine Herausforderung. Und manchmal bleiben Ratlosigkeit und Unverständnis die scheinbar einzige Antwort auf die vielen Fragen, die uns das Verständnis verbauen. So geht es mir jedenfalls mit diesen Versen aus dem Lukasevangelium. Aber liegt nicht gerade darin die „Lebensnähe“ der Frohen Botschaft? Gehören nicht Probleme und Widersprüche zu unserem Alltag? Können wir diese Schwierigkeiten nicht als Lerngelegenheiten nutzen?
Das Wort Gottes gibt uns weiten Raum, um die Tür zu öffnen und am Tisch einen Platz zu finden. Jesus selbst ist die Tür (Johannesevangelium 10,7.9) und er bereitet uns den Tisch. Unser Glaube ist die Begegnung mit Jesus Christus im Wort und im gebrochenen Brot – darum sind alle Türen sperrangelweit offen und darum findet jeder seinen Platz am Tisch des Lebens. „Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.“ (Lk 13,29). Das ist das eigentliche Bild: Leben in Fülle, Heil für alle, Nähe Gottes.
So wie jede Tür und jeder Tisch eine freundliche Einladung von Mensch zu Mensch sein kann, so ist der Glaube die Einladung zur Begegnung mit Jesus Christus, der „auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zog und lehrte“ (Lk 13,22).
In jeder Feier der Eucharistie erlebt die christliche Gemeinde die Ankunft Jesu in ihrer Stadt, in ihrem Dorf. Dort gilt seine Einladung zur Begegnung mit i






