Psychotherapeutin berät Trauergruppe des SKF in Meschede
Trauer oder Therapie?
Meschede. Wie lange darf ich trauern? Was mache ich, wenn Angehörige meine Trauer nicht aushalten? Welche Hilfe brauchen die Geschwisterkinder? Um solche Fragen ging es bei der Selbsthilfegruppe trauernder Eltern nach dem Tod ihres Kindes. Psychotherapeutin Bernadette Betz-Gillet versuchte, mit den Trauernden Antworten auf ihre Fragen zu finden.
Eine Teilnehmerin berichtet, dass ihr bei der Babymassage des Sohnes, das Kind nach ihrer Totgeburt, plötzlich die Tränen fließen. Sie ist überwältigt von ihren Gefühlen, sie ahnt, was ihr durch den Tod des ersten Kindes fehlt. Alle im Kurs erwarten eine glückliche Mutter. Wer versteht die Tränen? Ähnliche Erfahrungen mit intensiven Gefühlen und komplizierten Situationen teilen die anderen Teilnehmerinnen.
„Es ist wichtig, zu den eigenen Gefühlen zu stehen und sie anzunehmen“, rät Betz-Gillet. Trauernde sollten ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Sehr hilfreich kann es sein, wichtige Menschen wie Partner, Familie und Freunde von der eigenen Traurigkeit zu erzählen. Nur so kann man die schwierigen Zeiten gemeinsam erleben und überstehen.
„Schau endlich nach vorn, du bist noch so jung“, sagte eine Mutter zu ihrer Tochter sechs Wochen nach dem Tod des Kindes. Alle Frauen berichteten, wie schnell von ihnen erwartet wird, wieder zu funktionieren. Fühlen sich Trauernde diesem Druck nicht gewachsen und ziehen sich immer mehr zurück, kann eine Depression ausgelöst werden, die nur mit fachlicher Hilfe behandelt werden kann.
Betz-Gillet sprach in diesem Zusammenhang von einem gesellschaftlichen Problem unserer Zeit, die wenig Platz für Gefühle wie Trauer habe. Können andere meine Trauer mit mir nicht aushalten, so kann es sinnvoll sein, zu diesen Menschen für einige Zeit auf Distanz zu gehen, um sich selber zu schützen.
Zur Geschwistertrauer rät Betz-Gillet, die Trauer anzunehmen und zuzulassen, auch wenn sie sich durch aggressives Verhalten oder durch Trotz ausdrückt. Durch Gespräche, gemeinsame Besuche des Grabes, beim Betrachten von Bilderbüchern oder durch andere Ritualen könne Kindern geholfen werden, ihre Gefühle auszudrücken.
Durch die Ausführungen der Psychotherapeutin erfuhren die Teilnehmerinnen, dass sie trauern dürfen und nicht „krank“ sind.
Info
Die offene Selbsthilfegruppe für trauernde Eltern, initiiert und geleitet durch die SKF Schwangerschaftsberatungsstelle, trifft sich jeden zweiten Mittwoch im Monat im Tagungsraum des Dekanates Hochsauerland-Mitte, Stiftsplatz 13, Meschede, von 18.30 bis 20.30 Uhr. Weitere Informationen: Hildegard Schröder, Tel.: 0291/9 08 14 44. Trauerbegleitende Einzel- oder Paargespräche: SKF Schwangerschaftsberatungsstelle, Angela Kloppenburg, Tel.: 0291/71 31.






