Aktuelle Ausgabe
2012-20

Jugendliche machten am Josefstag auf ihre Sorgen aufmerksam

„Toll, dass uns jemand zuhört“

Jugendliche haben ihre Wünsche am Josefstag auf Luftballons geschrieben. Foto: Lankowski

PADERBORN. „Was kostet die Zukunft?“ Eine Frage, auf die Andre Heiden eine Antwort hat: „Viel.“ Als Beispiel nennt er die erste eigene Wohnung. „Eine Wohnung einzurichten, das schafft man meistens gar nicht.“ Aber der Jugendliche weiß, wie es gehen kann – vor allem, ohne Schulden zu machen. „Den Spiegel kann man sich von der Oma leihen und den Fernseher im Internet ersteigern – es geht eben nicht alles auf einmal“, meint Andre.

von Dirk Lankowski

Wie seine Zukunft aussehen könnte, das plante der Schüler der Albert-Schweitzer-Förderschule in der letzten Woche im Diözesanzentrum der Pfadfinder in Rüthen. Mit seinen Altersgenossen aus Bergkamen nahm Andre Heiden an einem Berufsorientierungscamp der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) teil. Die Frage „Was kostet die Zukunft?“ stand dabei mit im Mittelpunkt. Die Schüler sollten unter anderem lernen, nicht in die Schuldenfalle abzurutschen.
Maßnahmen wie Berufsorientierungscamps der Pfadfinder gibt es überall in Deutschland. Aber die Maßnahmen kosten Geld, und gerade dieses sei an Förderschulen knapp, weiß Lehrer Matthias Heuwinkel. „Wir Förderschulen brauchen eine starke Lobby“, so Heuwinkel.
Um für Unterstützung aus Politik und Kirche zu werben, stellten die Träger der katholischen Jugendberufshilfe ihre Arbeit anlässlich des Josefstages gemeinsam im Berufsförderzentrum IN VIA St. Lioba in Paderborn vor. Der bundesweite Aktionstag der katholischen Jugendberufshilfe stand unter dem Thema „Jugendarmut“. Koordiniert wurden die Veranstaltungen im Erzbistum von der Diözesan-Arbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit. Monsignore Andreas Kurte, Leiter der Abteilung Pastorales Personal im Generalvikariat, sowie die Paderborner Politiker Daniel Sieveke (CDU) und Petra Tebbe (Die Grünen) erfuhren, wie schwer es Jugendliche haben, die Zukunft nach ihren Vorstellungen zu gestalteten.
Jugendarmut sei weit verbreitet und auch unter den Jugendlichen ist die Angst davor groß. Eine Projektgruppe von Jugendlichen aus dem Berufsförderzentrum St. Lioba machte diese Erfahrungen bei einer Befragung ihrer Altersgenossen. Viele Jugendliche würden die emotionale Armut fürchten, ausgegrenzt zu leben und ohne Freunde auszukommen. Mit einem selbst gedrehten Video, angelehnt an das Lied „Alles kann besser werden“ von Xavier Naidoo zeigten die Jugendlichen, wie man neuen Lebensmut gewinnen kann.
Wie viele Träume und Wünsche die jungen Menschen haben, zeigten die Teilnehmer des Projekts „Via Helene“, das zum In-Via-Bezirksverband Paderborn gehört. Auf bunten Luftballons hatten sie zum Josefstag ihre Wünsche an die Politik formuliert: Ausbildungsplätze, Beratungsangebote, Jobs aber auch Jugendtreffs und Sportmöglichkeiten standen an erster Stelle. „Es ist toll, dass uns endlich mal jemand zuhört“, strahlte eine Teilnehmerin.
„Via Helene“ richtet sich an Jugendliche ohne Ausbildungsplatz, die bis zum 18. Lebensjahr berufschulpflichtig sind und deshalb das Helene-Weber-Berufskolleg besuchen. „Wir hoffen, dass diese Träume nicht zerplatzen wie Luftballons“, betonte Leiterin Susanne Krüger.


24.05.2012
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