Gedanken zum Evangelium
Sternstunden im Glauben und im Leben
Der Glaube entfaltet eine seiner schönsten Seiten, wenn er Sternstunden im Leben ermöglicht.
von Josef Holtkotte
Wir alle haben sicherlich schon einmal das erlebt, was wir eine „Sternstunde“ nennen. Mitten im mühsamen Alltag, in Eintönigkeit und Langeweile reißt uns plötzlich irgendetwas heraus und verändert unseren Blickwinkel. Eine solche Sternstunde schafft den Alltag nicht ab. Manche Probleme holen uns schon am nächsten Tag wieder ein. Auch die Menschen bleiben immer noch dieselben. Aber meine Einstellung ist anders geworden, meine Blickweise verändert sich. Vielleicht fallen Ihnen Sternstunden ein; Höhepunkte Ihres Lebens, Erfahrungen von Glück – oft unerwartet – die es möglich machen, Durststrecken durchzustehen.
Solche Erfahrungen können uns verstehen helfen, wovon das heutige Evangelium erzählt. Es schildert einen der kostbarsten Augenblicke im Leben der Freunde Jesu. Sie wissen sich ganz mit Jesus und Gott eins. Sie sind sich sicher und gewiss: Wir werden aus der Liebe Gottes niemals herausfallen.
Der Text von der Verklärung Jesu schildert im Grunde eine Ostererfahrung. Für einen Augenblick dürfen die Jünger ganz intensiv die Wirklichkeit des Auferstandenen erfahren. Ihnen geht blitzartig auf, wer dieser Jesus für sie ist. Die Gegenwart Gottes leuchtet geradezu aus ihm heraus. Auf dem Berg erkennen sie: Christus ist der, der Gott und Menschen verbindet, der den Himmel auf die Erde holt. Und das auch konkret für ihr Leben. Denn: Ihr Alltag, ihre Missionsarbeit, ihr Versuch, für Jesus und seine Botschaft Menschen zu gewinnen, all das ist unendlich schwierig, von Rückschlägen begleitet. Doch für einen Augenblick reißt die graue Wolkendecke des Alltags auf, fällt alles Schwere, alle Angst, alles Bedrängende von ihnen ab. Eine Erfahrung des Glaubens, die ihnen Kraft für ihr Leben gibt – eine Sternstunde.
Doch all dies geschieht nicht nur für die drei anwesenden Jünger, sondern gilt allen Menschen. Aber viele Menschen sehen in unserer Welt mit ihren großen Problemen und der vielfältigen Not keinen Platz für den guten Gott. In den Fragen des Lebens fällt es ihnen schwer, an einen persönlichen Gott zu glauben. Dabei gibt es so viele Zeichen der Liebe Gottes in unserer Welt. Vielleicht haben wir verlernt, mit den Augen des Glaubens zu sehen. In den Erfahrungen von Glück und Gelingen, von Liebe und Menschlichkeit, von Begeisterung und Freude, in solchen guten Erfahrungen können wir ihm begegnen. Sicher, solche Augenblicke des Glücks können wir nicht festhalten. Hütten bauen können wir auf solchen Gipfeln nicht. Die Welt, in der wie leben, ist kein Paradies. Sie ist oft trist, enttäuschend, voller Auseinandersetzungen und Streit. Aber es gibt solche Sternstunden, die das oft so mühselige Leben mit all dem Einerlei durchbrechen; die den Blick dafür öffnen, dass Gott mit uns geht, an unserer Seite ist.
Vielleicht kann auch der Gottesdienst für uns zu einer solchen Stunde werden, in der wir über unsere Alltagsprobleme hinaussehen. Das vor allem sollten wir doch in der Feier der hl. Messe erfahren dürfen: Er ist wirklich da – er geht mit – durch mein oft so schwieriges Leben. Er steht an meiner Seite. Er gibt mir Kraft, Mut und Hoffnung. Vielleicht kann die Eucharistiefeier auch eine solche Sternstunde sein.
Verklärung Jesu heißt also: Nimm den Glauben als Wirklichkeit an; lass dich beschenken von Erfahrungen des Glaubens. Öffne dein Herz für die Gegenwart Gottes. Er schenkt jetzt schon Leben und Zukunft.







