Kommentar
Stellenabbau gegen Sonntagsschutz
von Andreas Wiedenhaus
Wenn es darum geht, die Ladenöffnungszeiten an den Sonntagen auszuweiten, ziehen die Befürworter des „Sonntags-Shoppings“ alle Register: Jüngstes Beispiel ist der Streit um die sogenannte „Bäder-Regelung“ in Schleswig-Holstein. Nachdem das Erzbistum Hamburg und die Nord-elbische Kirche Klage gegen eine Regelung eingereicht hatten, nach der in über 90 Tourismusorten Geschäfte vom 15. Dezember bis 31. Oktober öffnen dürfen, droht der Handel mit Personalabbau. Laut Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein sind mindestens 2 500 Stellen gefährdet.
Plötzlich stehen die Kirchen als „Job-Killer“ da. Wobei sich die Frage stellt, was von solchen Zahlen zu halten ist: Die Erkenntnis, dass Gutachter häufig genau die Daten liefern, die die eigene Argumentation unterstützen, ist ja nicht neu. Unabhängig von der prinzipiellen Frage, ob wir eigentlich grundsätzlich alles das zulassen müssen, was Umsatz und Wachstum dient. Wenig überzeugend wirkt auch das Argument, dass gerade Frauen sonntags arbeiten wollten, weil sich dann die Männer um die Kinder kümmerten. Dann stellt sich aber die Frage, um welche Arbeitsplätze es sich eigentlich handelt: Denn das klingt eher nach Aushilfstätigkeiten auf 400-Euro-Basis.
Vor diesem Hintergrund bleibt vom drohenden Arbeitsplatz-Vernichtungs-Szenario nicht mehr allzu viel übrig.






