Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Spenderherzen bleiben treu

Das Spendenaufkommen ist trotz Krise stabil. Mehr noch: nach aktuellen Erhebungen haben die Deutschen in den vergangenen zwölf Monaten sogar mehr gegeben. Die Kirchen konnten dabei ebenfalls zulegen, sie erhielten 35 Prozent aller Spenden.


Christian Schlichter (46) Chefredakteur des DOM

Die Welt ist also doch gar nicht so schlecht. Mit 2,9 Milliarden Euro Spenden haben die Bundesbürger in den vergangenen zwölf Monaten geholfen. Damit bleibt der Spendermarkt in Deutschland trotz Krise nicht nur stabil. Es ist sogar eine Steigerung von 100 Millionen zu verzeichnen. Daraus jetzt aber zu folgern, dass alles gut ist, wäre auch nicht richtig. Denn so, wie es stimmt, dass die Bürger ihr Herz für die Armen nicht verloren haben, so hat sich trotzdem etwas verändert. Denn die Statistiken zeigen, dass weniger mehr spenden. Es gibt zwei Milllionen Spender weniger, die Summe der Pro-Kopf-Spende ist im Gegenzug aber von 102 auf 115 Euro gestiegen.
Der Blick in die Spenderstatistik zeigt, was da passiert ist: Wer die Krise zu spüren bekommt, das sind die kleinen Leute. Die waren bislang schon selten als Spender aktiv. Die, die geben, das sind zur mehr als die Hälfte der über 60-jährigen. Die geben von ihrem Wohlstand, die teilen ihren kleinen Reichtum des Alters.
Wohltätigkeit bekommt also in der Gruppe der Rentner immer mehr einen Klang. Zu teilen und abzugeben, stirbt also nicht aus. Von sozialer Kälte im Land zu sprechen, ist angesichts dieser Zahlen schwer. Gut zu sehen, dass die Gesellschaft auch in Krisenzeiten selbst in den Bereichen der Wohltätigkeit funktioniert.


24.05.2012
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