Landvolk-Kundgebung zu Libori nahm die Schuldenkrise kritisch in den Blick
Sparen für kommende Generationen

- Im Mittelpunkt der diesjährigen Landvolk-Kundgebung zu Libori stand die Frage, ob „der Staat auf der Intensivstation liegt“ und welche Rolle die Nachhaltigkeit spielen muss.Foto: Nückel
Paderborn. „Zudem möchte ich den Kindern und Kindeskindern eine Zukunft übergeben, die nicht abgewirtschaftet oder mit horrenden Schulden belastet ist. Ein Graus für mich allein der Gedanke, den Betrieb heruntergewirtschaftet zu hinterlassen“, sagte die Vorsitzende im Kreislandfrauenverband Höxter, Gabriele Beckmann, bei der Landvolkkundgebung während der Libori-Woche unter großem Applaus. Sie hatte noch einmal den roten Faden aufgegriffen, der sich durch alle Reden gezogen hatte: sparen und verzichten, damit auch künftige Generationen leben können.
von Matthias Nückel
„Weder die Bankenkrise, noch die Staatskrise sind bis zum jetzigen Tag beseitigt worden. In einem nie dagewesenen Umfang werden neue Schulden gemacht, um die Krise zu bekämpfen“, führte der Rektor der Landvolkshochschule „Anton Heinen“ Hardehausen, Msgr. Prof. Dr. Konrad Schmidt, kritisch in die Veranstaltung ein. Die Verschuldung von Staaten, Unternehmen oder privaten Haushalten sei vor Jahren kein Thema gewesen. Mahner seien belächelt worden.
Da sich die Lage durch die Wirtschafts- und Finanzkrise drastisch geändert hat, stellte nun die Landvolk-Kundgebung in der Maspernhalle die Frage: „Liegt unser Staat auf der Intensivstation?“ Und die Referenten waren aufgefordert, nach Antworten zu suchen.
Der Festredner Steffen Kampeter betonte, dass es der Bundesregierung gut gelungen sei, mit der Wirtschafts- und Finanzkrise klarzukommen. Selbstkritisch räumte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen allerdings ein, es sei ein Fehler gewesen, „dass die Veränderung des Finanzmarktes nicht zur Veränderung der Regulierung geführt hat“.
Deutlich wurde Kampeter beim Thema Sparen. „Jetzt zu handeln, ist eine Frage der Gerechtigkeit“, betonte er. Es sei zwar nicht ausgeschlossen, dass der Schuldenstand pro Kopf steige, aber die Schulden dürften nur so steigen, dass sie für die nachfolgende Generation erträglich seien.
Von der theologischen Seite ging Erzbischof Hans-Josef Becker das Thema an. Er brachte das Wort „Verzichten“ in die Debatte, das allerdings in der westeuropäischen Gesellschaft „derzeit schlechte Karten“ habe. Wer zum Nein-sagen aufrufe, werde zum weltfremden Sonderling abgestempelt.
Der Erzbischof lud dennoch die Zuhörer zu einer „Ethik der Einfachheit und des Verzichtens“ ein. Denn, so zitierte Becker den Philosophen Martin Heidegger: „Der Verzicht nimmt nicht. Der Verzicht gibt. Er gibt die unerschöpfliche Kraft des Einfachen.“ Der Erzbischof verwies darauf, dass alle großen Religionen ihren Ursprung in der Wüste hätten, in einfachen, kargen Landschaften, in denen der Mensch auf fast alles verzichten müsse. Durch die Wüstenerfahrung des Verzichts erfahre man auch „das ganz andere, den ganz Anderen – eben Gott“, betonte der Erzbischof. Den Bogen vom Verzicht zur Verantwortung schlug Gabriele Beckmann in ihrem Schlusswort. „Mir ist so sonnenklar, dass ich nur ausgeben kann, was ich auch besitze. Oder dass ich nur leihen kann, was ich auch irgendwann in der Lage bin zurückzugeben. Schlicht, dass ich mit Geld und Vermögen verantwortlich umgehen muss“, betonte sie.
In der Wirtschafts- und Finanzwelt gehe es, wie beim Monopoly, mitunter um Fantasiesummen. Mit Hinweis auf Manager-Gehälter fügte Beckmann hinzu: „Manchmal, so scheint mir, ist unserer Gesellschaft das rechte Maß abhanden gekommen.“ Das unbändige Bestreben der Menschen nach Geld, nach Größe und Macht zerstöre die Wertvorstellungen, die unsere Gesellschaft über Jahrhunderte zusammengehalten habe.
Dennoch sieht die Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes auch Chancen in der Krise. „Die christlichen Werte haben die Menschen unseres Landes über Jahrhunderte geformt und geprägt. Oft waren sie Überlebensformeln und Haltepunkte in kritischen und bedrohlichen Lebenslagen“, sagte Beckmann und fügte hinzu: „Setzen wir uns weiter dafür ein, diese Werte auch in Umbruchzeiten zu bewahren.“





