Zweites Sozialforum des Dekanates Siegen – Caritas-Konferenz Dahlbruch erhielt Sozialpreis
Solidarität fällt nicht vom Himmel
Siegen. Die Caritas-Konferenz St. Augustinus Dahlbruch (Keppel) gehört zu den ersten Trägern des Sozialpreises der Katholischen Sozialstiftung Siegen-Wittgenstein. Die Caritas wurde gemeinsam mit Ehrenamtlichen der evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt Hilchenbach für ihre ökumenisch getragenen sozialen Initiativen ausgezeichnet.
85 Aktive bieten dabei Hand in Hand vielfältige Hilfen: eine Kleiderkammer, einen Mittagstisch, eine Schülerförderung und einen Entlastungsdienst für Angehörige von Demenzkranken. Der Sozialpreis ist mit 3000 Euro dotiert und wurde erstmals von der Stiftung verliehen.
Stellvertretend für die Aktiven des Helferkreises nahm Karl-Josef Rump als Vertreter der Caritas-Konferenz den Preis aus den Händen des Stiftungsratsvorsitzenden Dr. Theodor R. Gräbener entgegen. Mit einem zweiten Preis wurde der Diakonie-Helferkreis der evangelischen Kirchengemeinde Kaan-Marienborn für den Demenz-Entlastungsdienst Atempause ausgezeichnet; auf dem dritten Platz landete die Kreuzbund-Gruppe Siegen, die katholische Selbsthilfe-Gemeinschaft für Alkoholkranke und deren Angehörige. Insgesamt hatten sich acht Initiativen beworben.
Die Preisverleihung fand im Rahmen des zweiten Sozialen Forums des Dekanates Siegen im St.-Marien-Krankenhaus statt. Unter dem biblischen Leitwort: „Es soll kein Armer unter euch sein“ informierten sich nach einem Vesper-Gottesdienst rund 100 Teilnehmer über Projekte, die exemplarisch für die Überwindung von Armut, Isolation und Perspektivlosigkeit stehen.
Das katholische Jugendwerk Förderband, das Familienzentrum St. Josef Wilgersdorf, der Trägerverbund Mittagstisch und die katholischen Innenstadtgemeinden aus dem Pastoralverbund Siegen-Mitte stellten ihre Aktivitäten vor. „Wir wollen uns aus christlicher Verantwortung dem Thema Armut stellen und Wege zu deren Überwindung aufzeigen“, so Dechant Werner Wegener.
Das Soziale Forum bot neben Informationen auch Gelegenheit zu Begegnung und Vernetzung. Einen besonderen Impuls gab dabei der emeritierte Pastoraltheologe Prof. Udo Schmälzle aus Münster. Er plädierte dafür, Kirchengemeinden stärker in ihrer Funktion als Lernorte der Mitmenschlichkeit zu sehen. Ohne solche Lernorte sehe es in der heutigen Gesellschaft düster aus, denn, so betonte Prof. Schmälzle: „Solidarität ist eine Grundentscheidung, zu der wir niemanden zwingen können.“
Solidarität falle eben nicht vom Himmel. Umso wichtiger sei es, Mitmenschlichkeit einzuüben – und zwar gemeinsam mit Notleidenden und Hilfebedürftigen. „Menschen lernen, sich füreinander einzusetzen, wenn sie erlebt haben, dass sich andere Menschen für sie eingesetzt haben.“
Diese Aktivierung von Betroffenen sieht Schmälzle als Königsweg: „Unvorstellbar, was möglich wäre, wenn wir diese schlummernden Ressourcen nutzen würden.“







