Aktuelle Ausgabe
2012-20

Die „Spurensucher“ der Christkönig-Gemeinde in Sundern hegen und pflegen ihre Waldkirche

„So wie beim Kölner Dom“

„Spurensucher“ heisst die Gruppe ehemaliger Kommunionkinder der Christkönig-Gemeinde in Sundern. Ihr Treffpunkt ist etwas ganz besonderes: Die Waldkirche, die sie selbst aufgebaut haben und nun ständig pflegen. Dort wird gearbeitet, gebetet und gelernt. 

von Matthias Nückel  

„Wir werden hier nie fertig“, sagt Detlef Galle über die Waldkirche in Sundern. „So wie beim Kölner Dom“, ruft Niklas. „Aber so lange werde ich hier sicher nicht arbeiten“, meint Detlef Galle scherzhaft. Die Stimmung ist gut beim ersten Arbeitseinsatz in der Waldkirche nach den großen Ferien. Und es gibt viel zu tun. Das Unkraut ist gewuchert, eine Treppenstufe wackelt und zudem soll ein Platz für die neue Christusstatue gebaut werden.

Doch nachdem die kleine Gruppe – mit Hacken, Heckenscheren, Harken und Schaufeln bewaffnet – auf die Anhöhe im Waldgebiet „Altes Sundern“ gestiegen ist, wird nicht sofort gearbeitet. Am Anfang steht das Gebet. Die Kinder und ihr Gruppenleiter stellen sich im Kreis um das Kreuz auf, fassen sich an den Händen und sprechen das Vaterunser. 

Bei der Arbeit wissen einige sofort, was zu tun ist. Marius zum Beispiel ist der „Grabpfleger vom Dienst“, wie Detlef Galle ihn mit einem Schmunzeln nennt. Er hackt das Unkraut am Grab weg, welches das Ende des Kreuzweges bildet. Dieser Kreuzweg zieht sich den Weg zur Waldkirche hinauf. Die Kinder haben die Stationen  selbst gemalt. „Als Grundlage haben wir die Kreuzwegbilder aus der St. Hubertus Kirche in Sundern-Amecke genommen“, berichtet Galle, „weil diese einfach nachzumalen waren.“ Als das Kreuz aufgestellt wurde, habe sein Sohn auf die Stelle am Ende des Weges gezeigt und gesagt: „Das sieht aus wie ein Grab.“ Und so entstand als Abschluss des Kreuzweges das „heilige Grab“ – mit einem runden Stein davor. 

Begonnen hat das Projekt nach der Erstkommunion 2010. Gemeindereferentin Nicole Laufmöller, die von einer „Spurensucher“-Gruppe in Rietberg gehört hatte, wollte Ähnliches auch in Sundern umsetzen. „Nach der Erstkommunion gab es viele begeisterte Kinder. Da habe ich Eltern gefragt, ob sie mit diesen Kindern weiter arbeiten wollen“, erzählt Nicole Laufmöller. Es gehe darum, die „Lücke“ zwischen Erstkommunion und Firmung zu füllen. 

Andrea und Detlef Galle, die eine Tischgruppe betreut hatten, meldeten sich. Detlef Galle hatte die Idee mit der Waldkirche. „Ich bin naturverbunden und hier oben sozusagen aufgewachsen“, erläutert er. 

Die Fläche für die Waldkirche hatte der Orkan Kyrill freigelegt, der im Januar 2007 über dem Sauerland Spuren der Verwüstung hinterlassen hatte. Detlef Galle fand einen Baumstumpf, den er als Mittelpunkt für die Waldkirche aussuchte. Der Name „Spurensucher“ für die Gruppe stand schnell fest. „Wir heissen Spurensucher, weil wir auf den Spuren Jesu sind,“ erklärt Galle. „Jesus hat die Spur gelegt, wir gehen die Spur weiter. Und wir Erwachsenen legen Spuren, damit die Kinder darin weiterlaufen.“ So zeigt das Logo der „Spurensucher“ auf der Fahne, die immer zur Waldkirche mitgetragen wird, die Spuren Jesu, die zum Kreuz führen. 

Unterstützer für das Projekt waren rasch gefunden. Eltern halfen beim Freilegen der Fläche um den Baumstumpf. „Wir haben viele Schubkarren voll Erde hierher gefahren und fünf Säcke Beton verarbeitet – alles in Handarbeit“, erzählt Galle. Menschen, die Gräber auf dem Friedhof einebnen ließen, spendeten Kreuze und Steine. „Und von Gisela Gallus, der Küsterin in Kloster Brunnen, haben wir den Spurensucher-Jesus bekommen, den wir immer mitnehmen“, berichtet Galle. 

„Detlef, ist das hier ein Steinpilz?“, ruft Nadja plötzlich. „Nein, das ist ein Gallenröhrling. Der ist giftig“, stellt der Gruppenleiter nach einem prüfenden Blick auf den Pilz fest. So ganz nebenbei lernen die Kinder bei der Arbeit etwas – nicht nur über die Natur, sondern vor allem auch über den Glauben und das Kirchenjahr. Denn zum Abschluss jedes Treffens gibt es etwas Theorie. 

Heute steht das Fest Kreuzerhöhung an. Die Kinder und ihr Gruppenleiter sitzen auf abgesägten Baumstämmen. Detlef Galle erklärt den Mädchen und Jungen, was dieses Fest bedeutet. Unterstützt wird er bei der Theorie von der Gemeindereferentin. Sie versorgt Galle mit Informationen und nimmt auch selbst an Treffen teil. „Vor den Ferien hatten wir das Thema ,Maria und Martha‘. Dazu ist die Gruppe von der Waldkirche zur Bergmer-Kapelle in Sundern-Stockum gewandert“, berichtet Nicole Laufmöller. Am 13. Oktober ist eine Rosenkranzandacht an der Waldkirche geplant. Das Motto: Rosenkranz zum Anfassen. 

Wenn das Wetter schlechter wird, ziehen die „Spurensucher“ vom Wald um ins Pfarrheim Christkönig. Dort soll in diesem Herbst eine Krippe gebaut werden, die am 22. Dezember im Rahmen eines weihnachtlichen Gottesdienstes in der Waldkirche aufgestellt wird. So dürfte die Waldkirche auch in diesem Winter zum Anziehungspunkt werden, was sie den Sommer über schon ist. „Der Christkönig-Kindergarten ist oft hier“, betont Galle. „Ich gehe auch mit Oma und Opa hier hin“, fügt Gordian hinzu. Und unter Spaziergängern hat sich ebenfalls herumgesprochen, was dort im „Alten Sundern“ entstanden ist. So erklärt eine Walkerin einer Frau, die nach dem Weg gefragt hatte: „Auf dem mittleren Weg kommen Sie zu einer Waldkapelle. Die haben Kommunionkinder gebaut. Das ist richtig klasse!“ 

Jedem, so sagt die Walkerin, gebe sie den Tipp nicht. Sie habe Angst, dass etwas zerstört werden könnte. Doch diese Furcht scheint unbegründet. „Es ist noch nie etwas kaputt gemacht worden“, berichtet Marius. „Nur der Wegweiser unten ist schon mal weggeworfen worden.“ 

Die „Spurensucher“ brauchen den Wegweiser ohnehin nicht. Sie wissen, wo es lang geht – auf den Spuren Jesu.


24.05.2012
Impressum | Kontakt
4002