700 Jahre altes Gnadenbild wurde restauriert
„Sendschotter Madonna“ zurück
Sendschotten. Pünktlich zum „Sendschotter Umgang“ kehrte das Sendschotter Gnadenbild nach fast sechs Monaten in die St.-Michaels-Kapelle zurück. Das wertvolle, fast 700 Jahre alte Gnadenbild ist aufwendig restauriert worden und zeigt sich nun in neuer „alter“ Schönheit.
Massive Farbabplatzungen im Gesicht der Sendschottener Madonna waren Anlass, die Skulptur des 14. Jahrhunderts Anfang Januar 2010 eingehender zu untersuchen. Schon 1982 hat die Restaurierungsabteilung des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege Untersuchungen zur Ermittlung älterer Fassungen vorgenommen. Unter mindestens vier Übermalungen konnte die erste originale Bemalung mit vielen Details festgestellt werden. So zeigte das Gnadenbild im ursprünglichen Zustand einen roten Mantel mit blauem Innenfutter, das Kleid, das Haar und die Schuhe waren vergoldet. Der Thron erschien eben-falls in Rottönen mit Blattgoldauflagen an den Profilen.
Um weitere Erkenntnisse hinsichtlich der ursprünglichen Holzsubstanz und der verschlossenen Hohlraums zu erlangen, wurde die Skulptur mittels Computertomographie im St.-Vincenz-Hospital in Paderborn untersucht. Die Schichtaufnahmen ermöglichen ein detailliertes Bild des Holzkerns und aller späteren Ergänzungen wiederzugeben. Neben dem Christuskind, das stilistisch als Zutat des 19./20. Jahrhunderts zu erkennen ist, sind zahlreiche Schnitzpartien nachträglich ergänzt worden.
Im Hohlraum war ein flacher Gegenstand auszumachen, der sich nach der Öffnung als Briefumschlag zeigte. Dieser enthält die Beschreibung eines Kirchenmalers, der 1966 wohl eine neue Bemalung aufgetragen hat.
In Abstimmung mit der Kirchengemeinde, der Erzdiözese Paderborn und dem LWL-Amt für Denkmalpflege wurde eine Neufassung der Skulptur vorgesehen, die alle bekannten Elemente der ursprünglichen Fassung aus dem 14. Jahrhundert aufgreift und diese in Form einer neuen Bemalung wieder zeigt. Dazu haben die Restauratoren in schwierigen Teilfreilegungen unter dem Mikroskop weitere Details der Fassung aufgedeckt, z. B. eine gemalte Bordüre mit Silberauflage am Außenmantel Mariens.
Die Geschichte des Gnadenbildes geht weit zurück. Um das Jahr 1100 wurde im Dörpetal im benachbarten Wiedenest die nun evangelische Pfarrkirche gebaut. Zu diesem Gotteshaus, in dessen Nähe der „Heilige Brunnen“ sprudelt, wallfahrteten im Mittelalter die Gläubigen von nah und fern, bis in den Jahren 1570 bis 1580 die Reformation in Wiedenest Einzug hielt.
Infolge der neuen Lehre wurde das Marienbild aus der Kirche entfernt und führte seitdem ein verstaubtes und vergessenes Dasein. Eines Nachts, so wird berichtet, wurde dieses Marienbild von Belmickern, die katholisch geblieben waren, geholt und auf der Belmicke versteckt gehalten. Als dann 1694 im benachbarten kurkölnischen Dorf Sendschotten eine Kapelle erbaut worden war, erhielt die Marienfigur dort eine würdige Unterkunft und wurde bereits 1705 in einer Marienprozession mitgeführt. Die Belmicker fühlen sich dem Marienbild noch heute sehr verbunden. Sie wallfahren Jahr für Jahr am Sonntag nach Mariä Heimsuchung nach Sendschotten.
Die bisherige Aufstellung des Bildes auf einer Säule in der Kapelle wurde häufig beklagt, vor allem die schwere und eher unschöne Bronze-Glas-Ummantelung. Deshalb ist die Marienfigur nun wieder im Hochaltar der Kapelle aufgestellt, wo sie von den Betern gut gesehen werden kann.
Wallfahrtgruppen sind willkommen und können beim Pfarramt in Drolshagen (Tel. 02716/77124) weitere Informationen erhalten.




