Aktuelle Ausgabe
2012-20

Josefs-Gesellschaft investiert 2,3 Millionen Euro in Angebot für Menschen mit Behinderungen

Selbstständigkeit fördern

Diakon Manfred Becher, Geschäftsführer des Josefsheims, feierte mit Bewohnern und Gästen des Hauses Jakobus den Wortgottesdienst zur Einweihung.

Olsberg-Bigge. Premiere für das Josefsheim Bigge: Zum ersten Mal bietet das Unternehmen außerhalb seiner Kernliegenschaft Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung an. Das Haus Jakobus an der Stadionstraße liegt zentral in Bigge. Nach gut einem Jahr Bauzeit waren im August die Bewohner eingezogen. Kürzlich feierten sie mit Angehörigen, Gästen und den Verantwortlichen des Josefsheims die Einweihung des Hauses. Die JG-Gruppe (Josefs-Gesellschaft) als Holding hat rund 2,3 Millionen Euro in das Projekt investiert.

34 Menschen mit Behinderung leben im Haus Jakobus. Die 2 000 Quadratmeter Wohnfläche sind aufgeteilt in vier Wohngruppen für jeweils bis zu fünf Schüler im Alter zwischen sieben und 18 Jahren sowie acht Einzel- und drei Doppelapartments für Jugendliche und junge Erwachsene.
Einer von ihnen ist Chris­tian Loose. Der 22-Jährige wohnt seit Anfang August an der Stadionstraße. Im Josefsheim lebt er seit 1997. „Ich kann mich nicht beklagen“, lautet sein Fazit nach zwei Monaten. Die Nähe zur Olsberger Stadtmitte, zum Rathaus, zu den Einkaufsmöglichkeiten, zu Bus und Bahn– all das seien für ihn wesentliche Standortvorteile. Auf der anderen Seite ist Christian Loose aber auch die Ruhe wichtig: „Ich kann mich in mein Apartment zurückziehen und alleine sein, wenn ich das möchte“, erläutert er.
Ein Wohn- und Esszimmer, eine Küche, ein Bad, ein Arbeitsbereich mit PC und ein Ausblick ins Grüne, so gestaltet sich das Apartment des jungen Mannes, das für ihn zugleich Entfaltungs- und Rückzugsraum ist. Selbstständigkeit zu fördern ist Teil des pädagogischen Konzepts im Haus Jakobus. Bei der Pflege der eigenen Wohnung und der Wäsche übernehmen die Bewohner Verantwortung und trainieren lebenspraktische Fähigkeiten. Beim Einkaufen üben sie den Umgang mit Geld.
Das fängt schon bei den Jüngsten an. Die Kinder kaufen gemeinsam mit den Erziehern ein. Auf dem Weg zum Supermarkt lernen sie das richtige Verhalten im Straßenverkehr. „Bei den Wohngruppen für die Kinder haben wir familienähnliche Strukturen geschaffen“, erläutert Michaele Halbey, stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Wohnen und Fördern im Josefsheim. Mit vier bis fünf Kindern sind die Gruppen, von denen es im Haus Jakobus insgesamt vier gibt, vergleichsweise klein. Jede Gruppe wird von zwei Mitarbeitern betreut. Dabei hat jedes Kind seine feste Bezugsperson. Die Unterstützung wird dem Hilfe­bedarf jedes einzelnen Menschen individuell angepasst. Die Kinder und Jugendlichen besuchen die benachbarte Schule an der Ruhraue, die Franziskusschule in Brilon, das Gymnasium in Büren und das Bergkloster Bestwig. „Wir arbeiten sehr intensiv mit den Schulen zusammen“, sagt Michaele Halbey.
In Sachen Technik setzt das Haus Jakobus Maßstäbe. Das beginnt schon an der Haustür: Der Zutritt erfolgt über ein elektronisches System mittels Transpondertechnik. An den Türen der einzelnen Apartments ist diese Technik ebenfalls vorgerüstet. Auch die technischen Voraussetzungen für höhenverstellbare Küchen, die mit Rollstühlen unterfahren werden können, sind gegeben. Das gesamte Gebäude ist mit einem Notrufsystem ausgerüstet, das seinen Bewohnern im Notfall einen direkten Kontakt zum schnurlosen Telefon des Betreuungspersonals herstellt.
Bei der Energieversorgung setzt das Josefsheim auf moderne und zukunftsfähige Lösungen. Das Haus Jakobus wird mit Erdwärme beheizt. Das macht es komplett unabhängig von zugeführter Wärme. Dafür wurden rund um das Haus jeweils 99 Meter tiefe Löcher gebohrt. Mit Wärmepumpen wird das Haus nun beheizt und das warme Wasser aufbereitet.


24.05.2012
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