Aktuelle Ausgabe
2012-20

Freienohler Kirchengemeinde und Musiker ziehen an einem Strang

Schwesternhaus wurde „Haus der Musik“

Odo Göckeler, Tambourcorps, Wilfried Pfitzner, Vorsitzender des Fördervereins „Haus der Musik“, Pfarrer Michael Hammerschmidt und Karl-Heinz-Kordel, Vorsitzender des Musikvereins (v. li.) im großen Probenraum.

Freienohl. Ein einzigartiges Projekt zur Umgestaltung eines kirchlichen Gebäudes ist jetzt in Freienohl vollendet worden. Aus dem ehemaligen Schwesternhaus wurde ein „Haus der Musik“. Die offizielle Einweihung findet an diesem Sonntag statt

von Matthias Nückel 

„Es ist ein Segen für uns, dass wir das gemeinsam mit Unterstützung der Pfarrgemeinde verwirklichen konnten“, freut sich Karl-Heinz Kordel, Vorsitzender des Musikvereins in Freienohl. Der Musikverein mit 40 Aktiven und 50 Kindern in der Ausbildung sowie das Tambourcorps mit seinen 46 Aktiven und 15 Kindern haben jetzt eine Bleibe gefunden, die sich sehen lassen kann.

Begonnen hatte alles schon 2006, als die letzten beiden Hiltruper Missionsschwestern Freienohl verließen. Pfarrer Michael Hammerschmidt wollte zunächst indische Schwestern ins Sauerland holen, doch das klappte nicht. Dann hatte er die Idee, das Schwesternhaus für die Musikvereine im Dorf zu nutzen. Drei Jahre sprach er mit Vereinen, überzeugte Skeptiker und warb für seinen Plan. Vor genau einem Jahr wurde dann ein Vertrag geschlossen.

Das Konzept ist einfach, wie Hammerschmidt erläutert: „Die Kirchengemeinde hat das Material bezahlt, die Vereine haben die Arbeit geleistet.“ Über 5000 Stunden arbeiteten Mitglieder von Musikverein und Tambourcorps ehrenamtlich. „Die Abrissarbeiten waren nicht ganz ungefährlich. Aber es ist kein Unfall passiert“, berichtet Odo Göckeler vom Tambourcorps. Das Corps, das wegen seiner größeren Instrumentenvielfalt offiziell „Moderne Spielleute-orchester“ heißt, wurde 1932 von Kolpingbrüdern gegründet.

In „phänomenaler Harmonie“ entstanden innerhalb eines Jahres auf 330 Quadratmetern fünf Übungsräume, vom großen Saal bis zum kleinen Einzelübungsraum. Hinzukamen Lagerräume, ein Sitzungszimmer und ein Bistro-Bereich. „Jeder Probenraum hat Ecken und Kanten für die bessere Akustik und alle sind schallisoliert – selbst die Rolladenkästen“, erläutert Göckeler.

Für den Musikverein bedeutet dies erheblich bessere Probemöglichkeiten, wie Kordel betont. „Bisher waren wir im Keller der Schule untergebracht. Einzelproben fanden auch bei den Ausbildern zu Hause statt“, sagt er.

Damit Nutzung und finanzielle Regelungen besser funktionieren, wurde ein Förderverein gegründet. Dessen Vorsitzender Wilfried Pfitzner berichtet von mittlerweile 115 Mitgliedern. Auch Musikverein und Tambourcorps zahlen in die Kasse des Fördervereins. Dieser überweist der Kirchengemeinde nun die Nebenkosten und eine Nutzungspauschale. „Ohne viele Spenden wäre die Einrichtung der Räume aber nicht möglich gewesen“, stellt Pfitzner fest. Ein wenig stolz ist er auch darauf, dass das Budget strikt eingehalten wurde.

Einen nicht geringen Beitrag dazu leistete der musikalische Leiter des Tambourcorps, Klaus Höhmann. „Der Architekt führte die Planung, das Konzept und die Überwachung der Arbeiten kostenlos durch“, betont Hammerschmidt.

Für die Pfarrgemeinde sei es wichtig, dass die Räume über dem Kindergarten wieder sinnvoll genutzt werden, sagt der Pfarrer. Auch die beiden letzten Ordensschwestern, denen er vom Umbau erzählte, seien froh über diese Entwicklung. Eine von ihnen wolle zur Einweihung kommen.

Am Sonntag wird das Hochamt um 10 Uhr von den beiden Musikvereinen musikalisch gestaltet. Anschließend gibt es im „Haus der Musik“ einen kleinen Festakt mit geladenen Gästen. Der breiten Öffentlichkeit soll das Haus – bei hoffentlich gutem Wetter – im Mai vorgestellt werden.

Pfarrer Hammerschmidt ist überzeugt, dass diese Lösung von Dauer ist. Denn, so stellt er fest: „Die beiden Vereine identifizieren sich sehr mit dem Gebäude.“


24.05.2012
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