Aktuelle Ausgabe
2012-20

Diskussion über verkaufsoffene Sonntage in Iserlohn

Ruhe oder Rummel?

Viel Zündstoff bot die Diskussion der KAB. Foto: Erbrich

Iserlohn. „Sonntagsver-gnugen – Recht auf Ruhe oder Rummel“, unter diesem Motto stand kurzlich eine Podiumsdiskussion zum Thema: „verkaufsoffener Sonntag – verkaufsfreier Sonntag“ der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) St. Aloysius Iserlohn. Anlass waren die mittlerweile nur drei verkaufsoffenen Sonntage in Iserlohn sowie drei im Stadtteil Letmathe. 

von Michael Pott 

Ein Erfolg war es, dass durch eine Eingabe der KAB an die Stadt Iserlohn das Thema in einem der Ausschusse der Stadt besprochen wurde sowie uber diesen Punkt in der Stadtrats-Sitzung abgestimmt worden ist. Anlass war vor allem der erste verkaufsoffene Sonntag, verbunden mit dem Autosalon, der ausgerechnet am Muttertag stattfand.

Podiumsteilnehmer waren Pfarrer Johannes Hammer, stellvertretender Dechant des Dekanates Märkisches Sauerland und Leiter des Pastoralverbundes Iserlohn; die Diözesansekretärin der KAB Katja Hubner; Monika Grothe von der Gewerkschaft ver.di; Werner Luck, Vorsitzender des Iserlohner City-Managements und Michael Scheffler, SPD-Landtagsabgeordneter und Iserlohner Vize-Burgermeister. Moderator war Ronald Feisel, Redakteur des WDR-Studios Dortmund.

Dieser eröffnete seine sehr humorvolle Moderation mit einem Plakat aus den 50er-Jahren: „Am Samstag gehört der Papi mir“. Unter dem Beifall der Zuhörer meinte Monika Grothe: „Verkaufsoffene Sonntage sind so uberflussig wie Bauchschmerzen“.

Pfarrer Johannes Hammer gab zu Bedenken: „Wer nicht ruht, ist oder wird unproduktiv.“ Und er fügte hinzu: „Damit ich nicht falsch verstanden werde, ohne Moos nichts los, aber wir mussen uns fragen, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Es ist doch die Familie.“ Werner Luck aus Sicht der Geschäftsleute meinte: „Wir wollen die vier vom Landtag beschlossenen Sonntage, mehr aber auch nicht“. Bei einer repräsentativen Umfrage einer Iserlohner Hochschule hätten sich mehr als 50 Prozent der Befragten fur noch mehr offene Sonntage ausgesprochen. Insgesamt, so Luck weiter, mache der Umsatz der verkaufsoffenen Sonntage 1,5 Prozent aus. Und dass man auf den Monatsanfang gehe, sei doch klar, „denn da haben die Leute noch Geld“. Allerdings räumte er ein, dass der Umsatz am Freitag/Samstag vor oder Montag/Dienstag nach einem offenen Sonntag geringer sei.

Der Landstagsabgeordnete Michael Scheffler sagte, das Gesetz in NRW sei noch im Jahre 2006 von der schwarz-gelben Regierung erneuert worden. Es werde uberpruft, da doch einige Aussagen „zu schwammig“ klingen. „Mittlerweile wird das Gesetz, welches vier verkaufsoffene Sonntage gestattet, falsch ausgelegt, da jeder Stadtteil dies in Anspruch nimmt.“

KAB-Diözesansekretärin Katja Hubner meinte, dass es nicht angehe, dass in Großstädten wie Köln, Hamburg, Berlin oder sogar in Paderborn an jedem Sonntag Geschäfte geöffnet haben. Dass dies ein Unding ist, darin waren sich alle Teilnehmer einig. Hübner erinnerte ebenso wie Monika Grothe an die Allianz fur den freien Sonntag, die am 3. März 2010 in Dusseldorf von verschiedenen Verbänden unterzeichnet wurde, unter anderem vom damaligen ver.di-Vorsitzenden und heutigen NRW-Sozialminister Guntram Schneider.

Selbst der im Publikum sitzende stellvertretende Vorsitzende des Iserlohner Einzelhandels, Dietrich Berkenhoff, offenbarte sich nicht als Anhänger der Sonntagsarbeit. Dem Iserlohner Einzelhandel bliebe aber keine andere Wahl, aus Grunden der Standortsicherung Tausende von Menschen aus dem Umkreis in die Innenstadt zu locken. „Und wenn ich mein Geschäft nicht öffne – wird gesagt: Der hat es nicht mehr nötig“.

Angst macht allen Podiumsteilnehmern die Zahl der Trödelmärkte, die jedes Wochenende von Tausenden von Menschen besucht werden.Zum Schluss stand fest, dass bei allen Beteiligten der Sonntag im Kreis der Familie im Vordergrund steht und nicht die verkaufsoffenen Sonntage.


24.05.2012
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