Kommentar
Ringen um Leben und Tod
von Matthias Nückel
Als Angela Merkel zu den Delegierten des CDU-Parteitages sprach, waren viele Beobachter überrascht. Es fiel auf, dass Merkel – im Gegensatz zu ihren sonstigen Gepflogenheiten – das konservative Element hervorhob und vor allem auch das christliche. Die Bundeskanzlerin versuchte, die parteiinternen Kritiker aus den konservativen Reihen der Union für sich zu gewinnen – mit Erfolg, wie das Ergebnis ihrer Wiederwahl als CDU-Vorsitzende zeigte.
Als es am Tag darauf allerdings darum ging, das C im Parteinamen praktisch umzusetzen, wurde die Zerrissenheit der CDU deutlich. Gegner und Befürworter der Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) erhielten für ihre Reden etwa gleich starken Applaus. Die Debatte, die mit großem Ernst geführt wurde, zeigte, dass es für eine Volkspartei mit vielen verschiedenen Strömungen nicht so leicht ist, eine christliche Haltung in praktische Politik umzusetzen. Bis in die Führungsspitze hinein gibt es eine Haltung, zwischen lebenswertem und nicht lebenswerten Leben zu unterscheiden. Besonders perfide ist die Argumentation der PID-Befürworter, diese müsse zugelassen werden, weil man auch die Abtreibung zugelassen habe.
Das Votum des Parteitages ist noch nicht das Ende der Diskussionen. Jetzt wird es auf den Bundestag ankommen. Die Unionsfraktion ist gespalten, der Koalitionspartner FDP gegen ein PID-Verbot. Nun wird es darauf ankommen, wie viele Parlamentarier aus den Reihen von SPD und Grünen für ein Verbot der gentechnischen Untersuchung von Embryonen gewonnen werden können. Das Parlamnent hat das letzte Wort über Leben und Tod.






