Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Rezepte für die Krise

Christian Schlichter (45) ist Chefredakteur des DOM

Erzbischof Marx hat es bei der Bischofskonferenz eingefordert: Die Kirche muss auch in Zeiten der Krise zeigen, dass sie ihren eigenen Weg hat. Und dass es andere Lösungen gibt, als die, sich dem Markt zu beugen.
Marktdiktat, das ist auch das Stichwort, unter dem das Paderborner Kolping-Bildungswerk gGmbH seine Aktivitäten bewertet wissen will. Wirtschaftlicher Druck sei, so hat es das Unternehmen jetzt dem DOM schriftlich mitgeteilt, der Auslöser der Entscheidung gewesen, aus dem kirchlichen Arbeitsrecht auszusteigen. Dass sie dabei Recht und Gesetz verlassen haben, hat den Kolpingern niemand unterstellt. Nur welches dabei anzuwenden sei, war die Frage.
In einigen Telefonaten mit dem DOM argumentierten Kolpinger so, wie es auch der Diözesanrat getan hatte: Der Ausstieg habe die mehr als 600 Arbeitsplätze gesichert und damit der Hilfe für benachteiligte Menschen gedient. Unbestritten mag dieser Einsatz stimmen. Aber um welchen Preis muss er gehalten werden? Heiligt der gute Zweck dann die Mittel? Wie tief also darf ein Lohnnivau sinken, um der guten Sache willen? Und wieviel Zugeständnisse beim Arbeitsrecht darf es geben, um im katholischen Sinne Gutes zu tun?
Es geht um grundsätzliche Fragen, zweifelsohne. Es geht aber auch insgesamt um Glaubwürdigkeit. Die wird von außen beurteilt. Dort findet kaum jemand Zeit über interne Spitzfindigkeiten, wer nun kirchlich sei oder nicht, nachzudenken.


23.05.2012
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