Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Pessimisten haben Konjunktur

Die Krisenstimmung für das kommende Jahr weitet sich aus. Noch nie stand die deutsche Industrie vor einem größeren Abschwung. Die Zahl der Arbeitslosen wird wieder ansteigen. Die Nachfrage bricht ein. Mit solchen Nachrichten konfrontieren derzeit die Medien Leser und Hörer.


Gerd Vieler (52) ist Chef vom Dienst des DOM

„Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ lautet eine alte Journalistenweisheit. Und „jeder Tote belebt die Seite“ will sagen, dass sich schlechte Nachrichten besser verkaufen lassen, als gute. So ein anheimelnder Schauer über den Rücken oder der leichte Modergeruch des Bösen sind beim Medienkonsumenten beliebter als die guten Nachrichten. Und was der Kunde – in diesem Fall der Mediennutzer – will, bekommt er auch. Immerhin zahlt er dafür, das zu bekommen, was er möchte.
Diesen Wunsch zu erfüllen fällt den Medienschaffenden um so leichter, wenn es einen Kristalisationskern für schauerliche Informationen gibt, die am Kochen gehalten und mit immer neuen Prognosen, und Wahrscheinlichkeiten von Fachleuten genährt werden kann. Derzeit haben, was die Konsumzukunft angeht, die Pessimisten Hochkonjunktur.
Doch ein anderes Bild bietet sich dem, der einmal durch die Straßen geht und sich den tatsächlichen Konsum ansieht. Da drängen sich die Massen in den Warenhäusern. Das können nicht nur Schaulustige sein, darunter muss es auch ein paar Kunden geben.
Da ist der Handel zufrieden, die Auftragslage der Handwerker gibt keinen Anlass zur Klage. Der Markt für Computertechnologie und Software steigert sich. Nur eben Autos will im Moment niemand kaufen. Aber das wird auf Dauer auch nicht so bleiben. Wer will schon immer zur Fuß gehen.


23.05.2012
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