Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Persönliche Haftung ausgeschlossen

Mit 500 Milliarden Euro, dem größten Hilfspaket in der Geschichte der Bundesrepublik, bürgt der Steuerzahler für einen Schaden, den Profitgier im Bankenbereich angerichtet hat. Die Suche nach konkret Verantwortlichen, die zu Verantwortung und Schadensersatz verpflichtet werden könnten, blieb bislang erfolglos.


Gerd Vieler (52) ist
Chef vom Dienst des DOM

„Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte.“ So lautet der gute Schluss in Schillers Ballade „Die Bürgschaft“. Der Bürge braucht nicht einzutreten, und der Bürgschaftsnehmer hat solche Hochachtung vor Schuldner und Bürgen, dass er sich beide zum Freund wünscht. Der Steuerzahler kann derzeit nur hoffen, dass er für seine Bürgschaft, die die Regierung für ihn übernommen hat, nicht zur Einlösung gezwungen wird. Das wird die Zukunft zeigen.
Doch im Gegensatz zu Schillers Ballade gibt es noch weitere Handelnde: Bankmanager, teilweise quasi-verbeamtet, mit großen Gewinnbeteiligungen in den vergangenen Jahren, als die dubiosen Geschäfte noch kräftig Gewinn abwarfen. Bei der Haftungsbereitschaft Fehlanzeige. Die Gewinne privatisieren, die Verluste sozialisieren. Nach diesem Motto ging es auch dieses Mal. Das Schlimmste, was diesem verantwortlichen Personenkreis passieren kann, ist die Herunterstufung des Gehaltes auf 500 000 Euro im Jahr. Ein ziemlich geringes persönliches Haftungsrisiko in Bezug auf den angerichteten Schaden.
Da wird manchem Arbeitnehmer bei weit geringerem Verschulden mit einer fristlosen Kündigung der Stuhl vor die Tür des Unternehmens gesetzt. Und millionenschwere Abfindungen gibt es da auch nicht.


23.05.2012
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