Aktuelle Ausgabe
2012-20

Erzbischof lud Paderborner Priester zum Neujahrsempfang / Nachdenken über künftige Anforderunge

Pastoral der beiden Hände erwünscht

Erzbischof Hans-Josef Becker bedankte sich bei seinem traditionellen Empfang für die engagierte Mitarbeit. Von rechts: DOM-Chefredakteur Schlichter, Msgr. Thomas Dornseifer, Hauptabteilung Pastoral, Generalvikar Alfons Hardt, ErzbischofHans-Josef Becker, folgend der Paderborner StadtklerusFoto: Vieler

Paderborn. Da sprach der Erzbischof bereits wieder Klartext. Bei seinem Neujahrsempfang für den Paderborner Stadtklertus griff Hans-Josef Becker die derzeitige Umbruchsituation der Kirche auf. Seine eindringliche Aufforderung an alle Priester dabei: Die Motivation zu Beruf und Berufung in der Seelsorge und bei den Menschen zu finden. Ebenfalls sei es notwendig, mehr Herz einzusetzen und zugleich gesprächsbereit zu sein. Das könne zu einer ganz neuen Mitteilsamkeit in Gemeinden führen, so wünschte es sich der Erzbischof.

von Christian Schlichter

Eindeutig wandte sich Becker gegen Fatalismus, aber auch falsche Vorwürfe. Die derzeitigen Meldungen schienen ja darauf hinzudeuten „als ob wir als Kirche langsam ausbluten“, fasste er zusammen. Und ebenso erscheine es so, als ob Bischöfe sich in dieser Situation allein um Strukturen kümmern würden. Dass dieser Eindruck im Erzbistum Paderborn aber nicht angemessen sei, das wollte er mit Nachdruck unterstreichen. Die aktuelle Priesterfortbildung (DOM-Thema Ausgabe 50/08) sei Zeugnis davon, dass sich die Diözese „substanziell und fundamental damit befasse, was uns geistlich die Stunde beschert“, so Becker.
Zugleich wollte er aber „den Finger auf die Wunde“ legen. Wenn es um die Befindlichkeiten gehe, dann deckten sich seine Erfahrungen wie auch die der Weihbischöfe von ihren Visitationen. Den Klerikern im Bistum sei „nicht unwohl im priesterlichen Dienst“. Trotzdem müsse gefragt werden „Wo ist denn unsere Motivation?“ Es gehe darum, die Verluste in den Gemeinden zu betrachten und auch darauf zu reagieren. Wie viele Bestrebungen gebe es jedoch vor Ort, die aus Ehrgeiz oder Machtsreben entstünden? An der Stelle gelte es, zu einer geistlichen Gelassenheit zu finden.
Hingabe an den Beruf und die Berufung“, so der Erzbischof, das helfe auch die Prioritäten, aber auch die Posteoritäten zu finden. „Was beschäftigt die Menschen wirklich?“ sei die herausfordernde Frage an die Seelsorge. Die Antwort dazu müsse durch das Herz gehen.
Bei seiner ganz persönlichen Ansprache wandte sich der Erzbischof auch gegen falsche Sentimentalitäten. „Früher war alles schöner“, könne nicht die Maßgabe an die Zukunft sein, schlug er die Brücke zu den derzeit anlaufenden Neuplanungen der Pastoralverbünde. Vielmehr gehe es darum, „eine Pastoral der beiden Hände, der Tradition und der Innovation“ zu pflegen. Ziel sei es, zu einer neuen Gesprächsbereitschaft, zu mehr Mitteilsamkeit zu kommen. Ganz kritisch fragte der Erzbischof dabei das Tun vor Ort an: Wie viele Sitzungen gebe es nur aus Entscheidungsangst? Und wo werde das Feld bereitwillig Platzhirschen überlassen, neben denen dann aber nichts mehr heranwachsen könne.
Schwarz zu sehen, sei nicht seine Sache. Und so freue er sich darauf, dass die ersten Ergebnisse aus der Priesterfortbildung den Weg in die Richtunge eines Presbyteriums wiesen, den er als Erzbischof gerne mitgehen wolle.
Einmal im Jahr lädt der Erzbischof alle Priester besonders aus den Pfarreien der Stadt Paderborn zu einem kleinen Neujahrsempfang ein. Dabei hält zunächst Generalvikar Alfons Hardt einen Rückblick auf das vergangene Jahr. Zugleich folgt der Blick auf die aktuellen Personalzahlen. In diesem Jahr war dabei augenscheinlich, dass in 2008 35 pensionierten Pfarrern nur sieben Neuweihen entgegenstanden. Allerdings, so betonte es der Generalvikar, sei die Quote der Priester mit Pfarreinsatz im Bistum mit über 76 Prozent überdurchschnittlich hoch.


23.05.2012
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