Körbecker veröffentlicht Buch mit Anekdoten über die Geistlichen im Kirchspiel
Pastöre aus der guten alten Zeit
Möhnesee-Körbecke. Pfarrer, die Schnupftabak unterm Priestergewand versteckt haben, die die Dorfjugend bezahlen, um Spatzen zu schießen oder ohne Führerschein Auto fahren: Das Kirchspiel Körbecke am Möhnesee hat in 400 Jahren Kirchengeschichte so einige Originale als Pfarrer gehabt. Damit sie auch im 21. Jahrhundert nicht in Vergessenheit geraten, hat Jupp Balkenhol die besten und lustigsten Geschichten gesammelt und als Buch herausgegeben.
von Birger Berbüsse
„Ich habe immer wieder Anekdoten und Erlebnisse der alten Pastöre aus unserem Kirchspiel gehört“, berichtet der 80-jährige Jupp Balkenhol, wie es zu seinem knapp 100 Seiten langen Werk gekommen ist. Im Zuge weiterer Nachforschungen habe er dann erstaunlicherweise entdeckt, dass über die alten Pastöre kaum etwas geschrieben steht. Das habe er nun ändern wollen, weil die Geschichten und die Geistlichen es wert seien, dass sich die Menschen an sie erinnerten. Aus diesem Grunde entstand das Buch „Pastöre im Kirchspiel Körbecke“.
Dabei ist es in keiner Weise so, dass der freundliche Rentner aus Körbecke damit sein erstes Buch geschrieben hätte. Es gibt über zehn Vorgänger mit Geschichten aus Körbecke. Der Unterschied: Sie sind alle auf plattdeutsch verfasst. Denn das hat sich der emsige Mann bereits vor langem vorgenommen: „Ich möchte das Plattdeutsch bewahren und an die Heimatgeschichte erinnern“, so Jupp Balkenhol. Aus diesem Grund hat er sich schon immer Nachbarn und Freunde aus seinem Heimatort eingelanden und sich ihre Erinnerungen schildern lassen, die er dann in seinen Kladden notierte.
Und weil damals die Kirche im Dorfleben eine noch viel stärkere Rolle als heutzutage spielte, notierte Balkenhol immer wieder Anekdoten über die Geistlichen seiner Heimat. Dabei stieß er auf Pastöre, „die die Menschen unbedingt kennenlernen und bewahren sollten“, beschreibt er eine der Absichten hinter seinem Buch.
Denn außer Pfarrer Bernhard Mappius, der von 1691 bis 1727 Pfarrer in Körbecke war und die neue Pankratiuskirche bauen ließ, seien die meisten kaum bekannt. Besonders Pastor Johannes Schulte liegt dem Autor am Herzen. Nicht umsonst sind ihm 29 Seiten fast ein Drittel des Buches gewidmet. Eine „Beichtmaschine“ sei Schulte gewesen, der eine Messe auch mal in 20 Minuten lesen konnte. Immer fromm und freundlich habe er unter den Körbeckern großes Ansehen genossen – wohl auch, weil ihm der Schalk im Nacken gesessen habe. So ließ er von der Dorfjugend Spatzen schießen, die seinen Garten unsicher machten oder verriet dem Bischof auf seiner Firmreise, das die vom Mitraträger so hochgelobten Erdbeeren auf „bestem Pferdemist“ gewachsen seien.
Auch Pfarrer Johannes Thiele kommt in Jupp Balkenhols Buch vor. Denn dessen dröhnende Stimme beim Predigen konnte der kleine Junge damals noch in der Wohnstube hören. Und vom Vikar Felix Hunold ist überliefert, dass er anlässlich eines Schützenfestes aus der Biermarke „DAB – Deutsche Aktienbrauerei“ kurzerhand „DAB – Denkt ans Beten“ machte.
In diesen Geschichten sieht der verschmitzte Autor auch einen Denkanstoß für heutige Pfarrer. Die, so Balkenhol, sollen sich ruhig mal fragen: „Was wird denn später mal über mich erzählt werden?“







