Aktuelle Ausgabe
2012-20

Das Urlaubsprogramm Benedikts XVI. wurde geringfügig geändert

Papst segnete mit Gipshand

Mit seiner gebrochenen rechten Hand segnete der Papst die Gläubigen bei seinem Besuch im Dorf Romano Cavese. Foto: kna

Vatikanstadt (kna). Die Handverletzung hat kaum Einfluss auf das Urlaubs­programm von Papst Benedikt XVI. Ungeachtet seines Handicaps hat er am vergangenen Sonntag die Heimatgemeinde von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone besucht. Der 82-Jährige reiste von seinem Urlaubsdomizil Les Combes in den italienischen Alpen in das knapp 100 Kilometer entfernte Romano Canavese. Die Dorfbewohner griffen den Handbruch des Papstes mit freundlichem Humor auf: „Unsere Hände für Dich“, stand auf einem Transparent zu lesen. Den Segen spendete Benedikt XVI. mit seiner eingegipsten Rechten.

„Wie ihr seht, bin ich infolge meines Unfalls in meiner Beweglichkeit ein bisschen beeinträchtigt, aber mit dem Herzen bin ich ganz da“, sagte Benedikt XVI. gut gelaunt zur Begrüßung. Zugleich dankte er für die Genesungswünsche, die ihn aus der ganzen Welt erreicht hatten. „Besonders möchte ich den Ärzten und dem medizinischen Personal in Aosta danken, die mich mit so viel Sorgfalt, Sachverstand und Freundlichkeit behandelt haben – und wie ihr seht, mit Erfolg“, so der Papst.
In seiner Ansprache rief er die Menschen der Region auf, sich von den Folgen der Wirtschaftskrise nicht entmutigen zu lassen. Viele Familien durchlebten wegen des Mangels an Arbeitsmöglichkeiten eine schwere wirtschaftliche Zeit. Die Jugendlichen warnte der Papst vor der „Versuchung leichter und illusorischer Wege“. Das Protokoll war dem Handicap des Papstes geringfügig angepasst worden. So saß Benedikt XVI. bei der Ankunft in einer schwarzen Limousine nicht wie gewohnt rechts, sondern hinter dem Fahrersitz, um mit seiner Linken aus dem Fenster winken zu können. Den Fischerring, Zeichen seiner Amtswürde, trug er anders als beim Verlassen des Krankenhauses wieder rechts. Dennoch vollzogen die Gläubigen den traditionellen Ringkuss an der unberingten Linken.
Beim Besuch in Romano Canavese bekam Benedikt ein kleines Notebook geschenkt. Francesco Forlenza, Chef des Büroelektronik-Herstellers Olivetti, und der Telecom-Italia-Vorsitzende Franco Bernabe, überreichten dem Papst das weiße Gerät mit päpstlichem Wappen. Olivetti war bis zur Unternehmenskrise in den 1990er-Jahren der größte Arbeitgeber der Region. 2003 fusionierte die Firma mit Telecom Italia.  Benedikt XVI. muss wegen seines gebrochenen Handgelenks die nächsten Wochen einen steifen Castverband tragen und kann deshalb nicht wie gewohnt mit der Hand schreiben. Dabei wollte er laut Vatikansprecher Federico Lombardi seinen bis Ende Juli dauernden Bergurlaub für die Arbeit an Manuskripten nutzen. Ob der Papst statt Papier und Füllfeder nun den geschenkten  Kleincomputer verwenden wird, ist allerdings unbekannt.
Die Handverletzung wird nach Einschätzung von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone den zweiten Band seines Buchs „Jesus von Nazareth“ weiter verzögern. Der Papst müsse jetzt „langsam machen“ und schauen, wie die Publikation zu realisieren sei, sagte Bertone laut italienischen Medien.
Der erste Band des Kommentars von Joseph Ratzinger zur Gestalt Jesu in den Evangelien war 2007 erschienen. Seither wird der zweite Teil erwartet. Er soll von der Kindheit Jesu sowie von Passion, Tod und Auferstehung handeln.


23.05.2012
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