Die Soester Kolping-Bildungsstätte ändert wegen ausbleibender Gäste ihre Ausrichtung
Pädagogen raus, Köche rein
Soest. „Eine Firma hätte schon längst dicht gemacht“, ist sich Wolfgang Hansen sicher. Der Akademieleiter der Kolping-Bildungsstätte in Soest spricht offen über die wirtschaftlichen Probleme, denen seine Einrichtung nahe der Soester Wiesenkirche in den vergangenen Jahren ausgesetzt war. Die haben nun zu einer veränderten Ausrichtung geführt: das Gebäude wird zum Hotel. „Aber auch die Bildung bleibt weiter drin“, verspricht Hansen.
von Birger Berbüsse
Nach dreißig Jahren ist Schluss. Gleichzeitig wird ein neuer Anfang gemacht. „Wir wollen die Bildungsstätte weiterführen, müssen sie dabei aber an die heutige Zeit und die Verhältnisse anpassen“, erklärt Hansen, der seit viereinhalb Jahren im Haus verantwortlich ist. Zukünftig soll die Einrichtung nach Vorstellungen der Verantwortlichen auf den drei Säulen Bildung, Ausbildung und Hotel stehen. „Die Ausbildung junger Menschen wollen wir verstärken“, geht der 48-jährige Hansen auf die erste Neuerung ein. Bereits seit einem Jahr würden Jugendliche vom Kolpingbildungszentrum Werl zu Beiköchen und Hauswirtschaftshelfern ausgebildet. Die Zahl von derzeit zwölf jungen Männern und Frauen solle noch auf achtzehn erhöht werden. Dazu würden einige Zimmer in zwei Lehrküchen umgewandelt. Wolfgang Hansen sieht darin nur Vorteile: „Die Azubis können bei uns direkt an Gästen üben, denen wir durch diese zusätzlichen Kräfte noch mehr bieten können.“ Er denke dabei unter anderem an vorgezogene Frühstückszeiten und aufwendigere Dekorationen.
Dies passt zu den weiteren Plänen des Kolping-Bildungswerkes Paderborn, in dessen Trägerschaft sich die Bildungsstätte befindet: Ab Januar sollen die Zimmer so weit fertig sein, dass das Hotel als Drei-Sterne-Betrieb seinen Betrieb aufnehmen könne. 27 der insgesamt 50 Doppelzimmer würden dafür „aufgewertet“. Denn sie entsprächen nicht mehr dem, was Hotelgäste heute erwarteten, verweist Wolfgang Hansen auf die schlichte Einrichtung und Ausstattung. Auch die Seminarräume und ganz besonders die Eingangshalle mit der Rezeption werden weiteren Umgestaltungen unterworfen. Mit diesen Umbauten stoße die Bildungsstätte in eine Marktlücke, hofft Wolfgang Hansen. „Bislang übernachteten Geschäftsreisende kaum in Soest, an die richtet sich unser neues Angebot.“ Daran habe wohl auch die Stadt Interesse. Eine weitere Folge dieser Umstrukturierung: Pädagogenstellen fallen weg, dafür müssen Hotelfachkräfte eingestellt werden.
Der Bereich der politischen und gesellschaftlichen Bildung, bislang der Arbeitsschwerpunkt, wird ohnehin deutlich zurückgefahren. „Sie wird aber auch weiterhin stattfinden“, beschwichtigt Akademieleiter Wolfgang Hansen. Das Angebot werde reduziert und aufgrund der Stellen-Umschichtungen wird auch er als Diplom-Theologe mehr Aufgaben in der Bildung übernehmen.
Die neue Konzentration auf drei Säulen ist die Reaktion auf einen jahrelangen Prozess. Zum einen habe die Bildungsstätte weniger Zuschüsse bekommen und deswegen die Kursgebühren und Preise erhöhen müssen. Hauptsächlich führt Wolfgang Hansen aber gesellschaftliche Entwicklungen als Grund an: „Die Menschen nehmen sich immer weniger Zeit für Bildungsveranstaltungen.“ Es seien stetig weniger Gruppen gekommen, die für weniger Tage gebucht hätten. „Wir haben mit allen Mitteln versucht, das Haus zu halten“, erinnert sich Hansen. Doch weder Werbung noch neue Angebote und starke Einsparungen hätten Erfolg gezeigt.







