Kommentar
Ohne Gott geht nichts
von Matthias Nückel
Papst Benedikt XVI. hat nach seinem Deutschlandbesuch – das berichteten zumindest Medien – viele enttäuschte Menschen zurückgelassen. In dem einen oder anderen Punkt ist diese Beobachtung der Journalisten vielleicht richtig. Doch dass es Enttäuschungen gab, lag nicht am Papst, sondern an falschen Erwartungen.
Schon im Vorfeld der Visite – und sogar noch in den Begrüßungsreden von Bundespräsident Christian Wulff und Bundestagspräsident Norbert Lammert – wurden Hoffnungen geschürt, die Benedikt XVI. gar nicht erfüllen konnte. Oder hat jemand ernsthaft geglaubt, der Papst komme nach Deutschland und erlaube mal eben so ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten und lasse wiederverheiratete Geschiedene zur Eucharistie zu? Solche Entscheidungen, welche die ganze Weltkirche betreffen, werden nicht in Deutschland gefällt und verkündet.
Gleichwohl hat der Papst mit seinem Treffen mit Vertretern der evangelischen Kirche im Erfurter Augustinerkloster und der Würdigung Martin Luthers deutliche ökumenische Zeichen gesetzt. Bene-dikt XVI. hat zugleich klar gemacht, dass die Einheit „nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben“ wächst. Diese Position ist zwar nicht neu, aber falsch muss sie deshalb nicht sein.
Völlig neu war ebenfalls nicht, was der Papst bei seiner großartigen Rede im Deutschen Bundestag sagte. Dennoch hat Benedikt XVI. auf hohem Niveau deutliche Hinweise zu ethisch verantwortlichem Handeln in der Politik gegeben. Diese Ansprache sollten nicht nur die Abgeordneten, sondern alle politisch Tätigen nachlesen, wenn sie veröffentlicht wird.
Und was bleibt innerkirchlich nach diesem viertägigen Besuch des Heiligen Vaters? Benedikt XVI. hat genau das gemacht, was er zuvor angekündigt hat. Er hat in seinen Ansprachen und Predigten den Blick auf Gott gelenkt.
Seine Worte waren keineswegs immer leichte Kost. Dieser Papst ist eben kein plakativer Prediger. Er redet – oft in Bildern – auf hohem Niveau. Er spricht vieles nicht direkt an, was leicht zu Fehlinterpretationen und Missverständnissen führen kann.
Besonders seine Kritik an Strukturen und die Aufforderung, „die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen“, stießen beim ersten Zuhören bei vielen auf Widerspruch. Beim Nachlesen der Rede jedoch wird deutlich, was der Papst meinte. Er will nicht alle kirchlichen Strukturen in Deutschland abgeschafft wissen. Im Gegenteil: Benedikt XVI. würdigte besonders die Arbeit der Laien.
Er will auch nicht, dass die Kirche sich aus der Welt zurückzieht. Dieser Papst möchte vielmehr, dass alles christliche Engagement für die Welt und in der Welt aus dem Glauben heraus geschieht. Das Handeln aus dem Glauben macht erst das spezifisch Christliche aus, wie der Papst es schon in seiner Enzyklika „Deus caritas est“ dargelegt hat. Diese Rückbesinnung auf Gott ist vielleicht gerade in einer oft verkopft und bürokratisch wirkenden Kirche vonnöten.
Ein innerkirchlicher Rückschritt – wie manche Papst-Kritiker unkten – war jedenfalls in den Predigten nicht erkennbar. – Es sei denn, man würde die Besinnung auf den Gottesglauben als Rückschritt bezeichnen.






