Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Notwendiges Vorbild

von Matthias Nückel 

Zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. gab es viele lobende Worte über den Verstorbenen. Von zahlreichen mehr oder weniger Prominenten wurden seine Verdienste – etwa beim Fall der Berliner Mauer – hervorgehoben.

Doch es gab auch Kritik: an der Anerkennung eines Wunders, an der Person des Papstes und an der Seligsprechung an sich.

Wunder passen offensichtlich nicht mehr in das moderne Weltbild. Doch es gibt sie, die kleinen und großen Wunder im Leben: sei es zum Beispiel der unverletzte Autofahrer, der nach einem schweren Unfall aus seinem Auto klettert, oder sei es die plötzliche Heilung eines schwer Erkrankten. Nicht alles lässt sich rational oder wissenschaftlich erklären.

Kritik an Johannes Paul II. gab es schon zu seinen Lebzeiten. Dem einen passte seine Haltung zur Abtreibung nicht, dem anderen gefiel sein Anti-Kommunismus nicht. Lediglich in seinen Aussagen zu sozialen Fragen war er fast unumstritten. Sieht man die Äußerungen und Handlungen Johannes Pauls jedoch nicht isoliert, sondern im großen Zusammenhang, so ist alles in sich logisch und konsequent. Den Schutz des menschlichen Lebens etwa kann man nicht relativieren. Es gibt nur ein Ja oder ein Nein.

Manchmal scheint es, dass gerade junge Menschen ein besseres Gespür für die konsequenten Haltungen des Papstes hatten, als ältere Generationen. Vor allem von jungen Gläubigen wurde Johannes Paul II. umjubelt. Für sie war er ein Vorbild im Glauben.

Die Seligsprechung wird die Vorbildfunktion stärken und erhalten. Das ist bitter nötig in einer Zeit, in der es so wenig wirkliche Vorbilder gibt.


23.05.2012
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