Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Neuer Krisentrend: Homing

Die Möbelbranche, besonders in Ostwestfalen ist zufrieden. Die Umsätze boomen, entgegen aller Krise. Als Ursache für die guten Verkaufszahlen auch im hochpreisigen Bereich hat die Branche einen neuen Trend ausgemacht: das sogenannte „Homing“.

 

Christian Schlichter (45) ist Chefredakteur des DOM

 Deutsche zieht sich angesichts der Krise zurück an den eigenen Herd. Zu Hause, das hat nun ausgerechnet die Möbelbranche festgestellt, hat eine steigende Bedeutung für die Menschen. Und dort, so wünschen sie, soll es schön sein. Weshalb die Hersteller von Küchen und Sofas gern nun die eigentlichen Gewinner der Krise werden wollen. Weil die Menschen jetzt soviel schöne Sachen kaufen für die Einrichtung eines schönen Zuhauses.

Der Trend ist nicht neu. „Coconing“ nannte Professor Garhammer das vor Jahresfrist in der DOM-Ausgabe zu den Megatrends. Menschen bleiben zu Hause. Aus Angst vor der Wirklichkeit. Aus Abkehr vor den Problemen anderer. Aus Sorge, da draußen in Gefahr zu geraten.

„Homing“, heißt der Trend nun. Die Menschen igeln sich ein und suchen Sicherheit, hat ein Zukunftsforscher das nun beschrieben. Hauptmotiv dieser Strategie ist also Angst. Ob begründet oder nicht, bleibt dabei außen vor.

Die Kirche und die Botschaft des Glaubens, das würde jetzt genau in diese Zeit passen. Allein die Konzepte müssten neu geschrieben werden. Denn wer die Menschen erreichen will, darf nicht hoffen, dass sie in Kirchen, Beichtstühle oder Familienkreise kommen. Er muss sie zu Hause aufsuchen, in ihren Wohnungen. Neue Konzepte einer aufsuchenden Seelsorge sind erforderlich, Umdenken in den Köpfen der Pastoralstrategen dringend gefordert.


23.05.2012
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