Aktuelle Ausgabe
2012-20

Benediktiner-Abtprimas Dr. Notker Wolf war zu Gast in der Hagener Stadthalle

Mönch, Manager und Mahner

Mit seiner Band „feedback“ heizte Abtprimas Notker Wolf den Zuhörern in der Hagener Stadthalle richtig ein.Foto: Piela

Hagen. „Hochwürden spielt am liebsten Hardrock“, „Diesen Rocker schickt der Himmel“, „Ein Wolf im Schafspelz“: So lauten die Schlagzeilen in der Presse, wenn Dr. Notker Wolf, ranghöchster Repräsentant des Benediktinerordens, mit seiner Rockband Musik macht. Nur dreimal tritt der Abtprimas in diesem Jahr auf und so ließen sich jetzt in Hagen rund 400 Gäs­te diese seltene Gelegenheit nicht entgehen.

von Ingrid Piela

Allerdings war der Mönch nicht nur zum Rocken in die Stadthalle gekommen. In Hagen arbeiten die beiden großen Kirchen zusammen mit dem DGB an einem Projekt „Sozial gerechte Stadt“. So passte das Thema des Vortrags von Notker Wolf „Finanzkrise und soziale Gerechtigkeit – ein Widerpruch?“ genau ins Konzept. Fernseh-Moderator Matthias Killing leitete die anschließende Podiumsdiskussion mit dem Abtprimas, dem Dechanten des Dekanats Hagen-Witten, Dieter Osthus, dem Superintendenten des Kirchenkreises Hagen, Bernd Becker, sowie dem DGB-Kreisvorsitzenden Jochen Marquardt.
Als die Veranstaltung vor langer Zeit geplant worden sei, seien die Themen Finanzkrise und soziale Gerechtigkeit fast ein Widerspruch gewesen. Das sehe jetzt anders aus. Im Flugzeug aus Rom, wo Notker Wolf lebt, habe ein Amerikaner neben ihm gesessen und Zeitung gelesen. „Business as usual. The crisis is over“ habe die Schlagzeile gelautet. „Das scheint mir doch noch bei Weitem nicht so zu sein. Von einer Überwindung zu reden, scheint mir zu voreilig zu sein“, so der Mönch, Manager und Mahner. Bei den Banken würden Polster gehortet, anstatt das Geld wieder in Umlauf zu bringen. Die Grundmentalität bleibe wohl dieselbe: „Der Mensch ändert sich nicht.“
Denn der Mensch sei vergesslich, sobald es ihm wieder besser gehe. Trotz Smoking, weißem Hemd und Krawatte blieben viele Kriminelle, so Wolf. Wobei er nicht alle vorverurteilen wolle. Gerade im Mittelstand gebe es Menschen, die nicht absahnen, sondern an ihre Mitarbeiter denken würden. Es wäre gut, wenn die Manager in Exerzitien gehen würden, um geläutert herauszukommen. „Die Krise war eine große Chance, aber wir haben nichts dazu­gelernt, es geht weiter wie bisher“, so der Abtprimas. Ehrenamt, Wert der sozialen Dienstleistungen, Arbeitsmarkt und Familie stärken waren weitere Schlagworte, zu denen der Benediktiner Stellung bezog. Die Zukunft werde alles andere als leicht sein. Wolf wünscht sich einen menschlichen Aufschwung des Miteinander. Erst dann seien wir ein Volk, das diesen Namen verdiene. In der anschließenden Podiumsdiskussion plädierte Dechant Dieter Ost­hus für globale Rahmenbedingungen und Kontrolle sowie für soziales und nachhaltiges Wirtschaften. „Wir müssen der Kenntnis auch Taten folgen lassen.“ Die Grundkrise des Menschen sei, dass er über seine Verhältnisse lebe. Jochen Marquardt (DGB) zeigte sich über die Zusammenarbeit mit den Kirchen zufrieden. „Wir glauben unterschiedlich, aber wir müssen etwas machen und das gemeinsam.“ Zu vertrauen sei wesentlich. Auch der Superintendent des Kirchenkreises Hagen, Bernd Becker, betonte, man habe in dreijähriger Zusammenarbeit festgestellt: „Wir haben gemeinsam gleiche Ziele – den Menschen in der Stadt zu sozialer Gerechtigkeit zu verhelfen.“ Großen Applaus bekam der Abt für seine Forderung nach Kontinuität in der Bildung. Lehrer würden als Bezugspersonen benötigt. Es gehe nicht nur um Fragen des Intellekts, sondern auch um Persönlichkeitsbildung, wie Anstand oder Freude am Studium.
Nach Abtprimas Notker Wolf hat diese Not-Zeit auch etwas für sich. „Neben dem materiellen hat es auch einen menschlichen Aspekt, wenn die anderen spürten: Ich bin nicht alleingelassen.“ Moral sei nicht in der Luft, moralisch sei der einzelne Mensch.
Im Anschluss an die Diskussion nutzte der Benediktiner dann die Gelegenheit zum „Abrocken“ im Habit mit seiner Band „feedback“. Mit Querflöte und leuchtendroter E-Gitarre heizte er den Hagenern ordentlich ein. Sein Lieblingslied heißt „My best friend“ und erzählt von Jesus.


23.05.2012
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