Kommentar
Moderne Zeiten in Schloss Bellevue?
von Andreas Wiedenhaus
Mit Christian Wulff hat die Bundesrepublik den jüngsten Präsidenten ihrer Geschichte. Zwar fiel der Start mit der Wahl im dritten Durchgang ein wenig holprig aus. Aber diese Startschwierigkeiten werden schnell vergessen sein.
Der bisherige niedersächsische Ministerpräsident ist nach Heinrich Lübke erst der zweite Katholik in diesem Amt. Gleichzeitig zeigt seine Biografie einen Bruch, mit dem auch viele andere katholische Christen leben müssen: Nach seiner Scheidung und erneuten Heirat ist er vom Sakrament der Eucharistie ausgeschlossen. Ein für ihn schmerzlicher Zustand, wie er betont.
Was in katholischen Kreisen vielleicht für Kopfzerbrechen sorgen könnte, ist für andere ein Aspekt, der den neuen Präsidenten quasi zum Repräsentanten dieser Gesellschaft prädestiniert: Nach der Wahl wurden Stimmen laut, die mit einer gewissen Euphorie davon sprachen, dass nun auch in Schloss Bellevue eine „moderne Patchwork-Familie“ zu Hause sei. Der neue Präsident dürfte gut beraten sein, in -diesem Zusammenhang die Privatsphäre zu wahren.
Auch wenn er gern betont, dass er sich freue, eine so „coole“ Ehefrau zu haben.
Christian Wulff muss seine Rolle als Staatsoberhaupt noch finden. Er wolle Brücken bauen, hat er in seiner Antrittsrede gesagt – zwischen Alten und Jungen, Einheimischen und Migranten und nicht zuletzt zwischen Regierenden und Regierten. Dabei muss sich der 51-Jährige in erster Linie auf die Autorität seines Amtes stützen. Schließlich steht seine Präsidentschaft nicht am Ende einer Lebensleistung, auf die er sich beziehen kann. So wurden ihm bisher – je nach politischer Couleur – häufig Attribute zwischen „nett“ und „farblos“ verliehen. Man darf gespannt sein.





