Eine internationale Gemeinschaft in Neuenbeken: 125 Jahre Missionsschwestern vom Kostbaren Blut
Mobile Truppe für Freude am Glauben
Neuenbeken. Schwester Angelika Hellmann zeigt sich zuversichtlich über die Zukunft ihrer Gemeinschaft. Wenn auch in Deutschland derzeit wenig Nachwuchs zu erwarten ist, blüht der Missionsorden in Afrika auf.
von Richard Schleyer
Seit 125 Jahren sind die Neuenbekener Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Afrika tätig. Und jetzt reift heran, was der Gründer der Gemeinschaft, Abt Franz Pfanner, seinen Schwestern als Ziel mitgegeben hatte: Im fernen Afrika Aufbauhilfe für Frauen, Kinder und Familien, für ein christliches Gemeinschaftsleben zu leisten, damit dort eine lebendige Kirche auf sicherem sozialen Fundament heranwachsen kann.
Schwester Angelika, die Neuenbekener Provinzprokuratorin, verweist auf Mozambique. Von den 42 dort tätigen Schwestern sind nur noch zwei Europäerinnen. Ähnlich verhält es sich in Kenia oder Tansania. „Wir haben dort solch fähige Frauen; da ist mir um unsere Zukunft nicht bang!“, versichert Angelika, die selbst lange in Südafrika arbeitete. Natürlich würden die einheimischen Schwestern andere Akzente setzen, achteten nicht so auf das typisch deutsche Effektivitätsdenken. „Die wollen vor allem nah bei den Menschen sein.“ Sie habe gelernt, für diese andere, lebensfrohe und bodenständige Mentalität ihrer afrikanischen Mitschwestern dankbar zu sein. „Solche Charaktere suchte unser Gründer für die Missionsarbeit; praktische Frauen, die schauten, was in der Umgebung ihrer Missionsstation anzupacken war.“ Derzeit entsteht in Mozambique ein Kindergarten für Kinder, deren Eltern an Aids erkrankt oder gestorben sind. Die Kinder sollen eine gute Starthilfe für die Schule erhalten.
Auf Internationalität legen die Neuenbekener Missionsschwestern großen Wert. Ihre Ausbildung soll Offenheit für andere Kulturen vermitteln. Die einzige deutschsprachige Novizin, sie stammt aus Österreich, lebt beispielsweise in einer internationalen Noviziatsgruppe in Kanada. Und in Neuenbeken wohnen derzeit drei afrikanische Schwestern. Eine studiert Theologie in Münster, die beiden anderen pflegen als ausgebildete Krankenschwestern die alten Ordensfrauen im Neuenbekener Provinzmutterhaus.
Viel Freude bereiten Schwester Angelika auch die jungen „Missionare auf Zeit“, die in Neuenbeken auf ihren einjährigen Einsatz in Afrika oder Südamerika vorbereiten werden. „Das ist eine wichtige geistliche Aufgabe: Unsere Missionsbegeisterung an heutige junge Menschen weiterzugeben.“ Die meisten MAZler kämen mit einem gereiften Glauben und einer veränderten Lebenseinstellung zurück. Schwester Angelika: „Ihr Horizont hat sich geweitet, ihr Herz für andere geöffnet.“ Das vermittle auch für das eigene Leben Freude und Zuversicht.
„Freude am Glauben“ sollte nach dem Willen des Gründers auch für die Schwestern die spitituelle Grundlage ihrer Mission bilden. Zwar heißen sie „Missionsschwestern vom Kostbaren Blut“. Doch die Erinnerung an die aus den Kreuzeswunden fließende Erlösung soll den Schwestern innere Stärke und gelöste Freude vermitteln. „Kreuz, Erlösung und Freude“ zugleich sollte auch der ursprünglich rote Habit der Schwestern ausdrücken. Bei den Afrikanerinnen kam er auch gut an, nur das wilhelminisch-prüde Deutschland rümpfte über die „roten Schwestern“ die Nase. Daher wurde bald schwarzer Habitstoff verwendet, vom alten Rot blieb nur die rote Schnur übrig, an der das Brustkreuz befestigt ist. „Das ist unser internationales Erkennungzeichen.“, erklärt Schweser Angelika. „Ich trage es mit Stolz!“
Stolz sind aber auch die Neuenbekener Bürger auf „ihre Schwestern“. Sind die doch vielfältig im Dorfleben präsent, nicht nur über das Missionsfest und andere Jubiläumsfeierlichkeiten. Eine Schwester gibt im Dorf Musikunterricht und leitet auch den örtlichen Chor. Auch die Nähschule ist im Dorf beliebt. Bekannt in der näheren und weiteren Umgebung ist auch die Paramentenstickerei, die sich auf die Reparatur alter Vereinsfahnen spezialisiert hat. Und auch die Tagungsstätte, das Franz-Pfanner-Haus, wird gern für Veranstaltungen genutzt.







