„Miniburg“ am Benteler See umgebaut
Messdiener mit Weitblick
Rietberg. Es ist ein kleines Paradies, das sich die Messdiener aus Rietberg, Mastholte und Bokel da geschaffen haben, wenngleich der Begriff klein angesichts der Größe des Areals nicht ganz passend erscheint. Auf 6500 Quadratmetern, von der Stadt Rietberg zur Verfügung gestellt, haben sich die Ministranten mit Hilfe vieler fleißiger Hände ein Refugium direkt am Benteler See in Mastholte geschaffen, das idyllischer kaum sein könnte. Aus einem vollkommen heruntergekommenen Bürogebäude wurde binnen eines Jahres ein multifunktionaler Veranstaltungsort.
von Ruth Lakenbrink
Die ganze Geschichte klingt ein wenig kurios. Die Stadt Rietberg, der das Gelände gehört, suchte schon seit einer geraumen Weile nach einer geeigneten Nutzung durch eine Gruppe der Stadt. Ziel war es, das ehemalige Betriebsgelände der Firma Weiken mit dem Gebäude nicht weiter verkommen zu lassen, sondern im Gegenteil, wieder auf Vordermann zu bringen. Für zehn Jahre sollte das Gelände kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Als besonderen Anreiz gab die Stadt sogar noch einen Bonus in Höhe von 50000 Euro mit auf den Weg.
Gemeindereferent Ralf Langenscheid war es schließlich, der, als er von dem Angebot hörte, den Messdienern des Pastoralverbundes Rietberg Süd eine Nutzung des Areals vorschlug. Diese waren von der Idee begeistert und übernahmen die Trägerschaft.
Wie sich herausstellte, war die Bausubstanz des ehemaligen eingeschossigen Bürogebäudes mit Keller auch noch so gut, dass an den Grundmauern und den Außenwänden nichts Wesentliches verändert werden musste. Abends und an Wochenenden gestalteten die Ministranten das Haus nach den Plänen von Architekt Josef Kleinewietfeld um, rissen Innenwände heraus, setzten neue Türen ein, verlegten Fußbodenbeläge, bauten Lampen ein und legten rund um die Burg eine Terrasse an, um nur einige der zahlreichen Aufgaben zu nennen. Hilfe bekamen sie häufig von ihren Vätern, den „ehemaligen Messdienern“, wie Langenscheid schmunzelnd einwirft und vielen Handwerkern vor Ort, die ihre Arbeiten kostengünstig in den Dienst der guten Sache stellten.
So entstanden auf etwa 180 Quadratmetern Nutzfläche zwei Gruppenräume, eine Küche, Abstellraum, Garderobe, Sanitärräume und diverse Lagerräume im Keller. Der Clou aber ist die riesige Dachterasse inklusive Seeblick. Um dem neuen Namen „Miniburg“, der sich aus dem Wort „Ministranten“ ableitet, gerecht zu werden, wurden Burgzinnen auf das Dach montiert.
Der „Feinschliff“ im Außenbereich, wie der Gemeindereferent es nennt, schließlich erfolgte bei der 72-Stunden-Aktion des BDKJ zu der rund 100 Personen erwartet wurden. Dabei wurde auf dem Gelände ein Grill- und ein Spielplatz angelegt, Blumen geplanzt, Rollrasen verlegt und das Haus bekam einen Außenanstrich. Auch die Einrichtung einer „Gottesdienstinsel“ samt umgebendem Bibelgarten ist geplant, ebenso wie Fußballplatz und Volleyballfeld sowie eine Eislaufbahn rund um die Burg durch Flutung des Geländes im Winter. „Mein Traum wäre ein Minigolfplatz“, sagt Langenscheid, der schätzt, dass „wir am Ende rund 150000 Euro in die Hand genommen haben werden.“ Doch die Kirchengemeinden mussten keinen Cent dazu bezahlen, die fehlenden 100000 Euro wurden nur durch Spenden finanziert. Und auch für die Finanzierung der monatlichen Betriebskosten hat sich ein Sponsor gefunden.
Die erste große Veranstaltung, nach der feierlichen Eröffnung des Geländes durch Weihbischof Matthias König am Samstag, 16. Mai um 10 Uhr, wird das Zeltlager der Messdiener Bokel im August sein. „Die Kirchengemeinden haben das Belegungsvorrecht“, erklärt Langenscheid.
„Es ersetzt die Pfarrheime nicht, ist aber eine schöne Ergänzung“, findet Pfarrer Andreas Zander, Leiter des Pastoralverbundes. Doch auch andere Gruppen der Stadt sollen die Möglichkeit bekommen, die Miniburg nutzen zu können. Und der Spielplatz wurde extra außerhalb des umzäunten Geländes angelegt, damit er zugänglich ist.







