Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Zivile Hilfe anschieben

von Andreas Wiedenhaus 

Die Bundeswehr soll ihren Einsatz in Afghanistan möglichst schnell beenden. Das hat die katholische Friedensbewegung Pax Christi gefordert. Stattdessen müssten Strategien für eine umfassende zivile Hilfe erarbeitet werden, meint der Fuldaer Bischof und Pax-Christi-Präsident Heinz Josef Algermissen.

In Berlin warf Algermissen den politisch Verantwortlichen zugleich vor, die Lage in dem Land zu beschönigen und die Grausamkeit des Krieges zu vernebeln. Ganz unrecht hat der Fuldaer Bischof mit seiner Kritik am Militäreinsatz des Westens und speziell der Bundeswehr nicht: Nach rund zehn Jahren Krieg fällt die Bilanz der westlichen Bündnispartner in Afghanistan nicht allzu gut aus. Kaum eines der Ziele wurde erreicht, von den Opfern unter den Soldaten und der Zivilbevölkerung ganz zu schweigen. Zahlreiche Fehlschläge musste die Allianz verkraften – auch, weil man unter falschen Voraussetzungen in den Einsatz gestartet war: Der Wunsch, eine Demokratie nach westlichem Vorbild zu installieren, wurde schnell von der Realität in Form von Korruption und Stammeskämpfen eingeholt. Dabei sind auch die Bundeswehrsoldaten mehr als einmal zwischen die Fronten geraten. Auch muss sich der Westen die Frage gefallen lassen, ob demokratische Verhältnisse in einem Land, das kaum mit westlichen Maßstäben gemessen werden kann, alle Probleme lösen. 

Ein Abzug darf aber nicht bedeuten, das Land sich selbst zu überlassen. Welche Folgen das hat, zeigt sich gerade aktuell, nachdem die Amerikaner den Irak verlassen haben. 


23.05.2012
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