Aktuelle Ausgabe
2012-7

Kommentar

Hauptsache „marktkonform“?

von Andreas Wiedenhaus 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es mit einer Kreation in die Auswahl zum Unwort des Jahres geschafft: Mit der ganz speziellen Wortschöpfung von der „marktkonformen Demokratie“ belegte sie hinter „Döner-Morde“ und „Gutmensch“ den dritten Platz.

Aufgegriffen hat diese wenig geglückte Formulierung jetzt der KAB-Bundespräses Johannes Stein bei einem Gottesdienst für den 1945 von den Nazis ermordeten katholischen Gewerkschafter Nikolaus Groß in Berlin: Statt die Demokratie an die Märkte anzupassen, sei es eher angebracht, die Märkte demokratiefähig zu machen, forderte er. Weltweit, so der KAB-Präses, seien sieben Milliarden Menschen „den Märkten ausgeliefert“.

Schon die Jury hatte bei ihrer Entscheidung kritisiert, Merkel habe mit ihren Worten das Prinzip der Demokratie als absoluter Norm „unzulässig relativiert“.

Die sozialpolitischen Themen führen hinter solchen Zielen wie Banken- und Euro-Rettung nur noch ein Schattendasein. Umso wichtiger ist es aber, diese den Politikern möglichst oft wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Bleibt zu hoffen, dass die Zahl derjenigen wächst, die kritisch nachfragen, wenn wieder einmal davon die Rede ist, „dass die Märkte das so und so verlangen“. Diese Wendung wird von manchen „Wirtschaftsexperten“ mittlerweile als absolut unverrückbar hingestellt. Aber sind diese „Märkte“ nicht von Menschen gemacht? Und sollten sie nicht für die Menschen gemacht sein – und zwar für möglichst viele?


23.02.2012
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