Kommentar
Auf immer und ewig
Zum Jahreswechsel tritt in Deutschland eine Reform des Personenstandsrechtes in Kraft. Darin ist unter anderem geregelt, dass für eine kirchliche Eheschließung künftig kein Standesamt mehr notwendig ist. Staatliche und kirchliche Heirat sind damit wieder voneinander getrennt.
Die Ehe ist ein weltlich Ding“, soll Luther gesagt haben. Und sich auch entsprechend in seiner Kirche verhalten haben. „Die Ehe ist ein staatlich Ding“, ließe sich Bismarck zuschreiben. Dem waren Katholiken immer ein Dorn im Auge. Und so hatte er 1875 die staatliche Personenerfassung eingeführt. Im Handstreich kassierte er zugleich das kirchliche Vorrecht dieser Beurkundungen ein.
Der Kulturkampf ist lange vorbei, nach 133 Jahren kommt also auch bei den Ehe alles zum alten. Doch die Kirche scheint sich nicht recht zu freuen. Auf evangelischer Seite wird in bewährter staatsnaher Manier beteuert, es möge doch bitte alles beim Alten bleiben. Also erst zum Standesamt, dann in die Kirche, damit es gilt. Doch auch von katholischer Seite kommen bislang nur zögerliche Töne. Das zu verstehen, ist allerdings schwer. Denn eigentlich sollte sich unsere Kirche freuen.
Endlich kann nun wieder deutlich werden, dass eine kirchliche Trauung und eine standesamtliche Vermählung zusammengehören können, aber nicht müssen. Weil sie denn auch im Wesen zwei unterschiedliche Dinge sind. Auf der einen Seite die Rechtsheirat, die die Versorgungsebene der Steuerklasse und Erbrechtsansprüche regelt. Und auf der anderen Seite die emotionelle Bindung auf ein Leben lang. Was der Staat besiegelt hat, ist jederzeit wieder lösbar. Was sich Eheleute selber spenden und die Kirche besiegelt, gilt auf immer und ewig.
Das neue Personenstandsrecht birgt für die Kirche zwei große Chancen: Sie kann endlich auch älteren Paaren mit Witwenrente und Altersbezug den Segen geben, ohne in deren Ansprüche eingreifen zu müssen. Fahrten nach Holland oder Österreich erübrigen sich dann. Zudem hat die Kirche die Chance das Besondere ihres Sakramentes Ehe wieder herauszuarbeiten. Deutlich zu machen, dass es eben kein Menschenwerk ist, das beliebig geschlossen und gelöst werden kann.Christian Schlichter (44)
ist Chefredakteur des DOM






