Aktuelle Ausgabe
2010-36

Kommentar

Wer ist schuldig geworden?

von Andreas Wiedenhaus 

Sie kamen nach Duisburg, um zu feiern. Hundertausende junge Menschen wollten am vergangenen Wochenende „Party machen“ – mit viel Musik und allem, was sonst noch dazugehört. Doch was als friedliches „Mega-Event“ geplant war, endete im Chaos – mit Verletzten, Traumatisierten, Toten. 

Entsetzt schaute die Welt nach Duisburg, auf die Trümmer der Love-Parade. Politiker suchten nach Worten, der Papst drückte den Opfern  und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus, betete für sie. Schock und Trauer sitzen tief. Kaum war die Nachricht verbreitet, begann die Suche nach den Verantwortlichen: Wer trägt Schuld am Tod dieser jungen Menschen? Was hätte getan werden müssen, um das zu verhindern?

Zentrale Fragen ganz besonders für diejenigen, deren Verwandte oder Freunde zu den Opfern gehören. Die erste Pressekonferenz nach dem Desaster war von Sprachlosigkeit geprägt. Behördenvertreter und Veranstalter wollten oder konnten nichts sagen. Auch ihnen muss man zugestehen, dass sie unter Schock standen. Allerdings werden sie den zahlreichen offenen Fragen nicht davonlaufen können. Insbesondere der, ob das Risiko aus Image- oder Profitinteressen heruntergespielt wurde. Unterdessen kursieren unzählige Vermutungen. Die Recherchen, wer was gewusst hat oder Bedenken angemeldet hat, laufen auf Hochtouren. 

Der Arbeit der Ermittlungsbehörden muss man die nötige Zeit zugestehen, auch wenn das manchem schwerfallen mag. Die Trauer der Angehörigen und Freunde wird noch mehr Zeit brauchen. Das sollte man bei allen Fragen um Schuld und Verantwortung nicht vergessen.


04.09.2010
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